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Springe - Springer


Titel

Springer,

1) Robert, Schriftsteller, geb. zu Berlin, widmete sich erst dem Lehrfach, privatisierte studierend eine Reihe von Jahren in Paris, Rom, Wien und Leipzig und lebte seit 1853 dauernd in Berlin, wo er starb. Er veröffentlichte: »Weimars klassische Stätten« (Berl. 1867);

»Die klassischen Stätten von Jena und Ilmenau« (das. 1869);

die Romane: »Gräfin Lichtenau« (das. 1871, 3 Bde.),

»Devrient und Hoffmann« (das. 1873, 3 Bde.),

»Sidney Smith« (das. 1874, 3 Bde.),

»Anna Amalia von Weimar und ihre poetische Tafelrunde« (das. 1875, 2 Bde.) etc.;

ferner: »Enkarpa. Kulturgeschichte der Menschheit im Lichte der pythagoreischen Lehre« (Hannov. 1884);

»Essays zur Kritik und Philosophie und zur Goethe-Litteratur« (Minden 1885);

»Charakterbilder und Szenerien« (das. 1886);

auch zahlreiche beliebte Jugendschriften, letztere meist unter dem Pseudonym A. Stein.

2) Anton, Geschichtschreiber und Kunsthistoriker, geb. zu Prag, widmete sich auf der Universität daselbst sowie in München und Berlin den Studien der Philosophie und der Kunst, ging, nachdem er 1846 kurze Zeit die Stelle eines Lehrers der Kunstgeschichte an der Prager Akademie bekleidet, auf ein Jahr nach Italien und ließ sich sodann in Tübingen nieder, wo er seine erste Schrift: »Die Hegelsche Geschichtsanschauung«, erscheinen ließ. Das Jahr 1848 rief ihn nach Prag zurück. S. trat hier für die föderative Verfassung des Kaiserstaats ein und galt als ein Wortführer der Rechte des Reichstags in der Presse. Im Herbste d. J. habilitierte er sich zu Prag für neuere Geschichte; doch zogen ihm seine freisinnigen Vorlesungen, welche sodann als »Geschichte des Revolutionszeitalters« (Prag 1849) im Druck erschienen, die Ungunst der Regierung zu, so daß er seine Lehrthätigkeit aufgab und eine Reise zu kunsthistorischen Studien durch die Niederlande, Frankreich und England unternahm.

Von London aus durch seine politischen Freunde zurückgerufen, trat er an die Spitze der Zeitung »Union«, die aber, weil er darin die Rechte Preußens auf die Führerrolle in Deutschland vertrat, 1850 unterdrückt wurde. Während des orientalischen Kriegs 1854-56 arbeitete S. zahlreiche Druckschriften im Auftrag der serbischen Regierung aus, in welchen er für die Emanzipation der türkischen Vasallenstaaten, aber gegen das russische Protektorat plaidierte.

Dieselben politischen Grundsätze führten ihn im letzten russisch-türkischen Krieg wiederum auf den publizistischen Kampfplatz und veranlaßten ihn zu zahlreichen Aufsätzen in »Im neuen Reich« gegen die russische Politik. Im Herbst 1852 habilitierte er sich in Bonn als Privatdozent der Kunstgeschichte, und 1859 ward er zum Professor derselben ernannt. Bei der Gründung der Universität Straßburg 1872 wurde er als Professor für neuere Kunstgeschichte berufen;

seit 1873 gehört er der Universität Leipzig an.

Von seinen historisch-politischen Schriften sind noch hervorzuheben: »Österreich nach der Revolution« (Prag 1850);

»Österreich, Preußen und Deutschland« (das. 1851) und »Südslawische Denkschrift« (das. 1854);

»Paris im 13. Jahrhundert« (Leipz. 1856);

»Geschichte Österreichs seit dem Wiener Frieden« (das. 1863-64, 2 Bde.);

»Friedr. Christoph Dahlmann«, Biographie (das. 1870-72, 2 Bde.);

»Protokolle des Verfassungsausschusses im österreichischen Reichstag 1848-49« (das. 1885).

Springers Kunstanschauung, wenngleich zunächst durch die Hegelsche Philosophie vermittelt, hat sich von dem beschränkenden Einfluß dieser Schule loszumachen gewußt. Sein Hauptstudium hat er den Schöpfungen des Mittelalters und der neuern und neuesten Zeit, besonders der Periode der klassischen italienischen Kunst, zugewendet. Seine vorzüglichsten kunstgeschichtlichen Werke sind: »Kunsthistorische Briefe«

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