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Nestel - Nestorianer



Nestor,

Gattung der Nestorpapageien (s. d.).

Nestor,

Sohn des Neleus (s. d.) und der Chloris, aus dem messenischen Pylos, nach Homer der Gemahl der Eurydike, der Tochter des Klymenos, nach andern der Anaxibia, der Tochter des Kratieus, wurde in Gerena erzogen und blieb deshalb am Leben, als Herakles seine Brüder tötete. So nahm er teil am Kampfe der Lapithen gegen die Kentauren (s. d.). Er wird unter den kalydonischen Jägern und unter den Argonauten aufgezählt. Obgleich er schon zwei Menschenalter durchlebt hatte, als der Zug gegen Troja unternommen wurde, führte er dennoch in 90 Schiffen seine Pylier und andere Stämme dorthin und war tapfer und kühn im Streit.

Besonders aber glänzte er als erfahrener Ratgeber und durch Beredsamkeit. Bei wichtigen Beratungen gab er durch sein Ansehen den Ausschlag; auch veranlaßte er Agamemnon, die Versöhnung mit Achilleus zu suchen. Nach Trojas Fall kehrte Nestor in seine Heimat zurück, wo ihn nach der Odyssee Telemachos aufsuchte. Nestor ist, wie neuere Homerkritiker bemerken, eine von den Personen, die in den ältern Bestandteilen des Epos nicht vorkamen und erst durch ion. Dichter hineingezogen wurden.

Nestor,

russ. Mönch des Höhlenklosters zu Kiew, kam 17 J. alt (kurz vor 1074) in dieses und starb um 1114. Er schrieb eine «Erzählung von den heil. Boris und Gljeb» und ein «Leben des heil. Theodosius», Gründers der russ. Mönchsgemeinschaften und Abts des Höhlenklosters. Ihm wurde lange die sog. «Nestorsche Chronik» zugeschrieben, auch «Grundchronik», «Urchronik» (Letopis pervonacalnaja") genannt, das älteste russ. annalistische Werk. Neuere Forschungen haben bewiesen, daß Nestor nicht der Verfasser ist.

Die ältesten Abschriften der später weiter geführten «Urchronik» sind: die sog. «Laurentiushandschrift» («Lavrentijevskij spisok»),

von einem Mönch Laurentius 1377 geschrieben, 1872 von der Archäographischen Kommission veröffentlicht, und die sog. «Hypatiushandschrift» («Ipatskij spisok»),

früher im Hypatiuskloster in Kostroma aufbewahrt, herausgegeben 1871. Die erste kritische Ausgabe der Annalen ist versucht in der «Vollständigen Sammlung russ. Annalen», Bd. 1 (1848),

von der Archäographischen Kommission. Die beste bisherige Ausgabe ist die von Miklosich («Chronica Nestoris», Wien 1860, auf dem Laurentianus beruhend). Eine vollständige deutsche Übersetzung fehlt; die Schlözersche in seiner Ausgabe («Nestors Russische Annalen», 5 Bde., Gött. 1802 - 9) mit vorzüglichem histor. Kommentar reicht nur bis 980. Eine vollständige dän. Übersetzung mit Anmerkung gab C. W. Smith («N.s russiske Kronike», Kopenh. 1869), eine böhmische Erben, eine französische Louis Léger.

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