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Kaschelot - Kaschmir



Kaschmir

[* ] (Kaschemir), weiches, geköpertes Gewebe aus feiner Kammwolle, ohne glänzende Appretur, auch wohl mit Blumen durchwirkt, dient zu Damenkleidern, Umschlagtüchern etc. Früher kam dieser Stoff ausschließlich aus dem Orient, wo er aus den feinen Haaren der Kaschmirziege gefertigt wurde, in den europäischen Handel.

Halbwollener Kaschmir hat eine Kette aus Seide und Einschlag aus Kaschmir- oder Merinowolle.

Kaschmir

[* ] (amtlich Kaschmir und Dschamu), Vasallenstaat an der Nordwestgrenze des englisch-ostind. Reichs, wird im N. und O. von China (Ostturkistan und Tibet), im S. und W. von Pandschab und Kafiristan begrenzt, dehnt sich von 32° 17'-36° 58' nördl. Br. und 73° 26'-80° 30' östl. L. v. Gr. aus und umfaßt 178,558 qkm (3242 QM.). Die letzte Zensusaufnahme fand 1873 statt und ergab eine Bevölkerung von 1,534,972 Seelen (918,536 Mohammedaner, 506,699 Hindu, 20,254 Buddhisten etc.). Das Gebiet schließt außer der Provinz Kaschmir und dem Distrikt Dschamu nebst Pantsch die Gouvernements Ladak, Gilgit und Baltistan mit den Distrikten Dardistan, Leh u. a. ein. An landschaftlichen Schönheiten wird insbesondere die Provinz Kaschmir von wenigen Gegenden der Erde übertroffen; sie ist ein auf allen Seiten von Schneegipfeln umstelltes Hochthal von fast eirunder Gestalt, 190 km lang und bis 140 km breit, dessen mittlerer Teil eine kleine Ebene bildet, die der am Nordostende entspringende Dschelam mit zahlreichen Nebenflüssen von O. nach W. durchfließt.

Die Pir-Pandschabkette mit Gipfeln bis zu 6470 m bildet die südliche Umwallung; zu gewaltiger Höhe steigt der Nordostrand empor, wo der (vom Thal aus jedoch nicht mehr sichtbare) K2 oder Diamer 8113 m erreicht. Tief eingeschnitten sind die Paßübergänge, die um ca. 1000 m tiefer als die Berggipfel liegen, während die Thalebene bei der Hauptstadt 1568 m Höhe hat. Die mittlere Jahrestemperatur von Srinagar ist mit 13,8° C. gleich jener von Konstantinopel. Die Winter sind überaus mild, der kälteste Monat hat eine mittlere Temperatur von + 4,5° C.; die Regenmenge beträgt 1160 mm. Unter den zahlreichen Seen ist der bedeutendste der 275 qkm große Wularsee, der vom Dschelam durchströmt und seit 1876 mit einem kleinen Dampfer, einem Geschenk der englischen Regierung, befahren wird.

Der Dschelam, der das Thal seiner ganzen Länge nach durchfließt, zahlreiche Bergflüsse aufnimmt und in Bewässerungskanälen abgeleitet wird, ist von der Hauptstadt bis in den Wularsee für größere, bis Islamabad für kleinere Boote schiffbar. Erdbeben finden sehr häufig statt; 1828 wurden in Srinagar 1200 Häuser zerstört und 1000 Personen kamen um, 1885 erstreckte sich die Zerstörung über weite Strecken, wobei Tausende ihr Leben verloren. Von Metallen kommen vor: Eisen (sehr häufig, aber nicht gut), Kupfer, Blei, Waschgold;

auch Kohle ist vorhanden;

Schwefelquellen sind zahlreich.

Die Flora ist mit der europäischen eng verwandt; Deodar (Cedrus Deodara), Yar (Pinus excelsa), Tschil (Pinus longifolia) u. a. bilden große Wälder, die erst in 3350 m

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