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Hauptmängel - Haupt- und Staatsaktionen



Haupt-

und Staatsaktionen, Bezeichnung für eine Entwickelungsphase des deutschen volksmäßigen Schauspiels, welche zu Ende des 17. Jahrh. auftrat und bis gegen die Mitte des 18. Jahrh. die Bühnen beherrschte. Die Haupt- und Staatsaktionen wurden in der Regel nicht gedruckt, sondern waren im handschriftlichen Besitz der wandernden Schauspielertruppen damaliger Zeit. Sie bestanden bald in vollständig ausgeführten Schauspielen, bald in bloßen dramatischen Entwürfen oder in einem Mittelding zwischen beiden, indem einzelne Hauptszenen ganz dialogisiert niedergeschrieben, dagegen die übrigen dem Stegreifspiel vorbehalten waren, und rührten meist von den Führern der Gesellschaft her. Im übrigen waren sie größtenteils Nachbildungen fremder Stücke, besonders englischer und niederländischer, und behandelten, wie diese, vorzugsweise Stoffe aus der Geschichte und Sage des Altertums, selten vaterländische Gegenstände. Dabei war die ernste Handlung mit possenhaften Auftritten des Hanswurstes (Pickelherings, Harlekins) durchflochten oder von besondern burlesken Zwischenspielen unterbrochen, und die Roheiten und Greuel der »englischen Komödien« blieben darin herrschend. Der Name Haupt- und Staatsaktionen erklärt sich am einfachsten daraus, daß diese Stücke, in welchen »große, heldenmütige und tragische Handlungen« dargestellt wurden und durch Rang oder

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