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Gislifluh - Git (Piz)


vergrössern: Geologischer Querschnitt durch die Giswilerstöcke. C. Rauchwacke; D. Dolomit; E. Dolomitschutt; K. Kreide; F. Flysch; M. Moräne.
Geologischer Querschnitt durch die Giswilerstöcke. C. Rauchwacke; D. Dolomit; E. Dolomitschutt; K. Kreide; F. Flysch; M. Moräne.

Giswilerstöcke

(Kt. Obwalden). Bergstock im SW.-Abschnitt des Kantons, w. über dem Lungernsee und 6 km nnw. vom Brünigpass. Benannt nach dem n. unter dem Lungernsee in der Thalebene gelegenen Dorf Giswil. Der mächtige Felsstock ist bemerkenswert sowohl durch sein wildes und zerrissenes Aussehen wie auch durch seine isolierte Lage, die ihn zu einem weithin sichtbaren, charakteristischen Berge stempelt, obwohl er sich nur auf eine Höhe von 2014-2076 m erhebt. In orographischer Hinsicht kann man am Stock drei Teile unterscheiden: a) den Giswilerstock im engern Sinne, der als schmaler mehrfach gezackter Grat von NO.-SW. ansteigt und mit der Schafnase (2014 m) abschliesst; b) die massige Rossfluh (2076 m), s. der Schafnase und von ihr getrennt durch die Furgge (1915 m), von der aus beide Gipfel (Schafnase und Rossfluh) gewöhnlich bestiegen werden; c) den noch weiter nach S. gelegenen kurzen und schmalen Felsgrat des Mändli (2068 m), den der Kringenpass (1915 m) von der Rossfluh trennt.

Die durch die genannten Passübergänge zweimal unterbrochene Kammlinie bildet einen stumpfen Winkel, dessen Scheitel an der Schafnase liegt. Seinem geologischen Aufbau nach ist der gesamte Bergstock eine isolierte exotische Felsmasse ohne inneren Zusammenhang mit ihrem Untergrund, d. h. eine mitten in kretazischen und tertiären Bildungen stehende triasische Dolomitklippe, deren Fuss in dolomitischen Sturzschutt eingehüllt ist. Die Giswilerstöcke bilden damit ein Glied der vom Rheinthal bis zum Thunersee dem N.-Rand der Alpen folgenden Reihe von Klippen, der u. a. auch die Mythen, das Buochserhorn und Stanserhorn angehören; sie können aufgefasst werden als Mittelglied zwischen den völlig isolierten, eigentlichen Klippen ö. von ihnen und der kettenförmigen Entwickelung dieser exotischen Massen w. von ihnen (Romanische Präalpen und Chablaiszone).

Das Klippenphänomen wird jetzt meist durch eine von S. her gekommene Ueberschiebung erklärt (vergl. Art. Alpen. Bd. I, S. 53). Zur Deutung der Giswilerstöcke im Speziellen nimmt Hugi neuerdings zwei aufeinanderfolgende Ueberschiebungen an, deren erste von N. her und deren diese erste z. T. überdeckende zweite von NW. her gekommen sein soll. Das beigegebene Profil zeigt uns den Aufbau der Giswilerstöcke und namentlich auch die Auflagerung von triasischem Dolomit auf dem eocänen Flysch und den Kreideschichten mit helvetischer Fazies. Vergl. auch das Profil zum Art. Emmengruppe. Näheres s. bei: Hugi, Em. Die Klippenregion von Giswil. Zürich 1900.

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