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Dreyse - Drighlington


Titel

Dreyse,

1) Johann Nikolaus von, Techniker, geb. zu Sömmerda bei Erfurt, erlernte das Schlosserhandwerk, arbeitete seit 1806 in Altenburg und Dresden, seit 1809 in Paris in der Gewehrfabrik von Pauli und kehrte 1814 nach Sömmerda zurück. Hier begründete er mit dem Kaufmann Kronbiegel eine Fabrik zur Herstellung von Eisenwaren, wandte sein Interesse aber besonders auch der Verbesserung der Gewehre zu, trat 1824 mit einer Verbesserung der Masse und Konstruktion der Zündhütchen hervor und gründete unter der Firma u. Collenbusch eine Fabrik zur Darstellung derselben.

Seine Bemühungen, die Zündung bei den Gewehren von außen nach innen zu verlegen und eine Einheitspatrone zu konstruieren, welche sämtliche für den Schuß erforderliche Teile enthalten sollte, führten 1827 zur Erfindung des Zündnadelgewehrs, welches aber seine Ladung noch von vorn erhielt und erst 1836 in einen Hinterlader verwandelt wurde. Diese Waffe wurde 1840 in der preußischen Armee, zunächst bei den Füsilierbataillonen, eingeführt und ihre Einrichtung als Geheimnis behandelt.

Gleichzeitig bewilligte die Regierung Dreyse die Mittel zur Errichtung einer Gewehr- und Gewehrmunitionsfabrik, welche 1841 in Betrieb gesetzt wurde und bis 1863: 300,000 Gewehre und die dazu gehörigen Patronenteile lieferte. 1864 wurde Dreyse in den Adelstand erhoben. Der volle Wert des Zündnadelgewehrs hatte sich in dem holsteinischen Krieg noch keineswegs enthüllt; ungeahnt großartig erschien daher die Wirkung des Hinterladungsgewehrs im Feldzug von 1866, und in Gemeinschaft mit den gezogenen Kanonen führte dasselbe eine förmliche Revolution auf dem Gebiet der Kriegführung herbei. Dreyse erfand auch ein Granatgewehr mit Sprenggeschoß, welches aber infolge der Beschlüsse der Petersburger Konferenz von 1868 keine praktische Bedeutung gewann. Er starb in Sömmerda.

Vgl.   »Nikolaus v. Dreyse und die Geschichte des Zündnadelgewehrs« (Berl. 1866).

2) Franz, Sohn des vorigen, geb. führte die Fabrik des Vaters fort, erweiterte dieselbe 1870 durch eine Maschinenfabrik und Eisengießerei und lieferte Gegenstände für Eisenbahnbedarf, Werkzeugmaschinen, ökonomische Gerätschaften etc. Auch erzielte er bei Jagd- und Kriegsgewehren durch eine eigentümliche Verbesserung größere Rasanz der Flugbahn und Präzision des Schusses.

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