Main

Seite 54.286

Christlieb - Christologie


mehr

und rednerisch begadte Geistliche sofort eine «christlich-sociale» Ardeiterpartei zu gründen, welche zwar in geistigem Zusammenhange mit dem «Verein für Socialreform» bleiben, aber sich doch darin von demselben unterscheiden sollte, daß sie sich auf ein abgeschlossenes Programm stellte: Gründung obligatorischer Fachgenossenschaften, Regelung des Lehrlingswesens, gewerbliche Schiedsgerichte, obligatorische Witwen- und Waisen-, Invaliditäts- und Altersversorgungskassen, ferner Normalarbeitstag, Fabrikgesetze, Wiederherstellung der Wuchergesetze, progressive Einkommen- und Erbschaftssteuern u. s. w. Als Kennzeichen der Christian P. wurde «der christl. Glaube und die Liebe zu König und Vaterland» angegeben.

Dieses Programm erregte nicht nur von liberaler Seite heftigen Widerspruch, sondern auch schwere Bedenken konservativer Socialpolitiker;

ja selbst der preuß. Oberkirchenrat richtete einen Erlaß an die evang. Geistlichkeit, in welchem er sie dringend vor der Beteiligung an diesen Agitationen warnte.

Stöckers unmittelbare Erfolge gegenüber der Socialdemokratie blieben sehr gering.

Auch sein Kampf gegen die sog. liberale, vom Christentum abgefallene, Weltanschauung hatte keine wahrnehmbare Wirkung.

Dagegen sammelte sein Eintreten in die antisemit.

Bewegung (s. Antisemitismus) zahlreiche Elemente des Handwerker- und kleinen Beamtenstandes um die Fahne der Christian P. Nachdem die Versuche derselben, bei den Reichstagswahlen in Berlin selbständig aufzutreten, gescheitert waren, verband sie sich in den achtziger Jahren mit den konservativen und antisemit.

Elementen in Berlin und bildete mit ihnen die sog. «Berliner Bewegung», die gegen Ende der achtziger Jahre infolge der ablehnenden Haltung Bismarcks und der Mißbilligung der Stöckerschen Agitation durch Kaiser Wilhelm II. starten Rückgang erlitt. 1893 sagte sich auch der «reine» Antisemitismus entschieden von der Christian P. los. (S. auch Socialismus.) -

Vgl.   Wach, Die christlich-sociale Arbeiterpartei (Lpz. 1878);

Stöcker, Christlich-Social.

Reden und Aufsätze (2. Aufl., Berl. 1890);

Alex. von Öttingen, Was heißt christlich-social? (Lpz. 1886);

M. Schön, Geschichte der Berliner Bewegung (ebd. 1889).

facebook