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Barthélemy (Jean Jacques) - Barthold



Barthélemy

Saint-Hilaire (spr. ßängt ilähr),

Jules, franz. Gelehrter und Staatsmann, geb. zu Paris, wurde nach vollendeten Studien Beamter im Finanzministerium, widmete sich gleichzeitig der Journalistik und arbeitete 1827 -30 am «Globe ». Nach der Julirevolution begründete er mit Rodde und Cauchois-Lemaire den «Bon Sens» und schrieb für oppositionelle Blätter. Ende 1833 entsagte er jedoch der Publizistik und wandte sich ausschließlich wissenschaftlichen Arbeiten zu. Seine Gesamtübersetzung des Aristoteles, 1832-93 erschienen, teilweise neu aufgelegt, verschaffte ihm die Professur der griech. und röm. Philosophie am Collège de France, die er Jan. 1838 antrat. Im März 1839 ward er, nachdem er mit der Schrift «De la logique d'Aristote» «1) (1838) einen Akademiepreis errungen hatte, zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften erwählt. Nach der Februarrevolution 1848 im Depart. Seine-Oise in die Konstituierende und die Gesetzgebende Versammlung gewählt, hielt er sich zu den Gemäßigten. Beim Staatsstreiche von 1851 ward er gefangen gesetzt, verweigerte 1852 Napoleon III. den Eid und legte seine Professur nieder. 1871 in die Nationalversammlung gewählt, wirkte er dort für die Ernennung Thiers' zum Chef der Exekutive, dem er als Generalsekretär und treuer Freund bis zu seinem Sturz zur Seite stand. 1876 wurde er Senator auf Lebenszeit und gehörte zum linken Centrum. In dem Ferryschen Kabinett vom übernahm Barthélemy das Ministerium des Auswärtigen und war bemüht, in den orient. Fragen im Einklang mit der Bismarckschen Politik zu bleiben. Als im Nov. 1881 Ferry zurücktrat, nahm auch Barthélemy seine Entlassung. Er ist seither seinen Ansichten treu geblieben, indem er noch 1890 zur Beschickung der socialpolit. Konferenz in Berlin riet, Bismarcks Genialität rückhaltslos anerkannte und das Problem einer franz.-russ. Allianz als eine Ungeschicklichkeit bezeichnete. Außer vielen wissenschaftlichen Abhandlungen, besonders über ind. Litteratur, sind von B.s Werken noch zu nennen: »Des Véda" (Par. 1854),

«Du Bouddhisme» (ebd. 1855),

«Lettres sur l'Egypte» (ebd. 1856),

«Le Bouddha et sa religion» (ebd. 1862),

«Mahomet et le Coran» (ebd. 1865),

«Philosophiedes deux Ampère (1866; 2. Aufl. 1869), "A la démocratie française. La démocratie française en 1873. De la vraie démocratie 1848 (Par. 1874),

«De la métaphysique» (ebd. 1879),

«Le Christianisme et le Bouddhisme (Châlons 1880), »L'Inde anglaise" (Par. 1887) und «Eug. Burnouf, ses travaux et sa correspondance» (1892). Auch übertrug er Homers Ilias (2 Bde., Par. 1867) und Marc Aurels «Pensées» (ebd. 1876).

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