Main

Seite 19.82

Bagdad - Bahr



Bagdad,

die Wilajethauptstadt und der Brennpunkt des Verkehrs von Mesopotamien, ist jetzt zu einer unansehnlichen türkischen Provinzialstadt herabgesunken. Mehrfach in den jahrhundertelangen Kämpfen zwischen Türken und Persern zerstört, von Pest, Cholera (zuletzt 1889) und Überschwemmungen heimgesucht, ist es jetzt (nach Moritz) auf etwa 80,000 Einw. reduziert, und mehr als die Hälfte der von den Stadtmauern umschlossenen 4 qkm wird von Schuttfeldern und Gärten eingenommen. An Wohlhabenheit steht die einstige Metropole des Welthandels jetzt hinter Kerbela zurück.

Die Industrie ist fast verschwunden, und nur der Handel ist von Bedeutung. Die Einfuhr wird auf mehr als 15 Mill. Mark jährlich geschätzt, wovon der größte Teil auf Großbritannien für Baumwollstoffe, Eisen, Kupfer etc. entfällt. Die Ausfuhr Mesopotamiens bestand 1887 aus 20,000 Ballen Wolle, 200,000 Kisten, 100,000 Körben und 100,000 Ledersäcken Datteln (1/8 davon über Bagdad, 7/8 über Basra), 20,000 Säcken Sesam, 4000 Säcken Galläpfel von ausgezeichneter Qualität, 500 Kisten persischen Gummis und 500,000 Stück Lammfellen. Reis und Getreide, letzteres noch vor kurzem nach Indien ausgeführt, gelangen jetzt nicht mehr zum Export, obwohl sie die Hauptprodukte des Landes bilden sollten.

facebook