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Mittelasien - Babylonier. Assyrer. Chaldäer.


 

Ziegeln hergestellt wurden, und da will ich gleich einschalten, daß die Assyrer für diese Keilform eine ganz besondere Vorliebe hatten und sie auch in der Verzierungskunst vielfach verwendeten. (Bekanntlich beruht auch ihre Schrift auf dieser Form.)

Die großen Wandflächen verlangten natürlich nach Schmuck. Zuerst mochten die Wände im Innern mit Teppichen verkleidet worden sein, da die Babylonier in der Weberei schon frühzeitig Meister waren, wie dies aus den Nachrichten hervorgeht. Darauf deutet auch hin, daß die wahrscheinlich ältesten Reste von Wandbekleidung, die man gefunden hat, Teppichmuster nachahmen. Diese Wandbekleidung wurde in der Weise hergestellt, daß in den Mörtelbewurf - wobei Erdharz verwendet wurde - Keile aus gebranntem, verschiedenfarbig verglastem Thon eingedrückt wurden.

Flachbilder und Malerei. Der weitere Fortschritt bestand dann in der Verwertung der Flachbildnerei und Malerei für den Wandschmuck. Namentlich mit Werken der ersteren Art waren die Paläste der Könige und Vornehmen überreich bedacht. Meist wurde weißer Alabaster, bisweilen ein gelblicher Kalkstein dazu verwendet, und wahrscheinlich waren in der Regel diese Bildwerke auch bemalt, wenn auch bei den erhaltenen Resten die Farbe vielfach verloren ging.

Die Gestalten sind auch weit mehr erhaben ausgearbeitet, als bei den ägyptischen Bildwerken, vielfach sogar «hocherhaben». Gegenstand der Darstellung sind natürlich vor allem die Herrscher, deren Thaten und Umgebung, sodann Vorgänge des gewöhnlichen Lebens: letztere kommen jedoch in geringerem Maße vor.

Eigentümlichkeit der Darstellungsweise. Was nun die Darstellungsweise anbelangt, so bekunden auch die Semiten in erster Linie das Streben nach Naturtreue, sowie eine scharfe Auffassungsgabe für das Bezeichnende und Eigentümliche. Auf die genaue Wiedergabe der Aeußerlichkeiten - Gewandung, Waffen, Schmuck - wird jedoch mehr Gewicht gelegt, als auf den einzeln-persönlichen Ausdruck der Gesichtszüge. So scharf daher die einzelnen Stände und Völker durch äußere Kennzeichen und allgemeine (typische) Züge unterschieden werden, so zeigen dagegen die Köpfe eine ziemliche Gleichförmigkeit. Ich möchte dies dahin ausdrücken, daß die Bildner nur eine Anzahl von Hauptformen des Gesichtsausdrucks verwendeten, wobei die bezeichnenden Leitlinien scharf herausgearbeitet wurden, daß sie aber die feineren Abweichungen von der Hauptform, welche eben das Eigenpersönliche ausmachen, nicht berücksichtigen. Zu der unbedingten Naturtreue in letzterer Hinsicht

^[Abb.: Fig. 41. Grundriß des Palastes von Khorsabad.]



Berōsus,

Zeitgenosse Alexanders d. Gr., Priester des Bel zu Babylon, schrieb in griech. Sprache drei Bücher babylonisch-chaldäischer Geschichten («Chaldaica»),

für die er das uralte Tempelarchiv von Babylon als Quelle benutzt haben soll. Die Arbeit stand bei den griech. und röm. Historikern in großem Ansehen. Erhalten sind nur Bruchstücke bei Josephus, Eusebius, Syncellus u.a., die von großer Bedeutung sind, weil sie über die dunkelsten Teile der ältesten Geschichte Vorderasiens wichtige Aufschlüsse geben. Eine Sammlung der Fragmente findet sich in den «Fragmenta historicorum graecorum», hg. von C. Müller, Bd. 2 (Par. 1848). Die zu Rom zuerst 1498 von Eucharius Silber in lat. Sprache bekannt gemachten und häufig wieder gedruckten «Antiquitatum libri quinque cum commentariis Joannis Annii» des Berosus sind ein Machwerk des Dominikaners Giovanni Nanni zu Viterbo.

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