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Argos (Riese) - Arguelles



Argot

(frz., spr. -goh), im ganzen dem engl. Slang (s. d.) oder Cant, dem deutschen Rotwelsch (s. d.) entsprechend, Pöbel-, besonders Gauner- und Diebssprache, auch Dialekt eines bestimmten Standes oder Gewerbes, hingegen Jargon (s. d.) mehr der einer durch irgend welche Schranken abgesonderten Landschaft, doch gehen beide Begriffe oft ineinander über. Ein aufgezeichnetes festes Argot entwickelte sich zuerst in Frankreich im 15. Jahrh. (vgl. Vitu, Le jargon du XVe siècle, Par. 1884) aus den absichtlich dem Publikum unverständlich gehaltenen Ausdrücken der Marktkrämer.

Von diesen übernahm es die Bettler- und Vagabundenzunft (gueux), und als die Banditen (narquois) und Diebe dieser eingeordnet wurden, wurde das Argot das Mittel für den Gedankenaustausch alles fahrenden Gesindels. Das Argot war, um dauernd eine Geheimsprache zu bleiben, fortwährender Veränderung unterworfen, und das des 17., 18. und 19. Jahrh. ist ein jedesmaliges Erzeugnis der Zeit. –

Vgl.   Grandval, Dictionnaire d’A. (1755);

Barbieux, Antibarbarus der franz. Sprache (Frankf. 1853);

Francisque-Michel, Études de philologie comparée sur l’A. et sur les idiomes analogues parlés en Europe et en Asie (Par. 1855);

Delvau, Dictionnaire de la langue verte (neue Ausg., ebd. 1889);

Rigaud, Dictionnaire d’A. moderne (ebd. 1885);

Toubin, Dictionnaire de la langue populaire (ebd. 1886);

Larchey, Dictionnaire historique d’A. (10. Aufl., ebd. 1887; Supplement 1889);

Timmermans, L’A. parisien (ebd. 1893);

Koschwitz in der «Zeitschrift für neufranz. Sprache», Bd. 6. – Besonders heißt Argot die Pariser Boulevard- und Demimondesprache (vgl. Villatte, Parisismen, 2. Aufl., Berl. 1888), deren sich manche Schriftsteller bedienten, um ihren Schilderungen den Anstrich des Volkstümlichen oder des Pikanten zu verleihen, so V. Hugo bisweilen, E. Sue, in unsern Tagen besonders Zola und seine Schüler; ebenso spielt es eine große Rolle in den Witzblättern «Journal amusant» und «La vie parisienne».

Das ältere in diesem Sinne ward litterarisch besonders von Villon, von dem wirkliche Argot-Gedichte überliefert sind, und Rabelais verwertet.

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