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Abu Musa Dschafar al-Sofi - Abwässer



Abu

Simbel, ein Fels am westl. Nilufer zwischen dem ersten und zweiten Nilkatarakte, in dem Ramses II. (1348–1281 v. Chr.) zwei noch erhaltene Tempel, den größern für sich, den kleinern für die Göttin Hathor, aushauen ließ. Zur Seite des pylonenartigen Eingangs des großen Tempels (s. Tafel: Ägyptische Kunst II, [* 1] Fig. 8) sind vier mächtige sitzende Kolosse des Königs, die größten in Ägypten, von ungefähr 20 m Höhe, mit einer Schulterbreite von 7,5 m, aus dem Felsen gehauen, an denen zahlreiche griech., karische und phöniz.

Söldner, wahrscheinlich auf einem nub. Feldzug unter Psammetich II. (594–589), ihre Namen eingekratzt haben. Durch die Thür tritt man in einen von acht kolossalen Osirisfiguren getragenen Saal, von da durch eine schmale Galerie in einen Saal mit vier Pfeilern, und endlich in das Allerheiligste, das zwischen zwei Kammern liegt und in dem sich die Statuen des Königs und der drei Götter Re, Ammon und Ptah befinden. Neben diesen Haupträumen liegen noch acht schmale Zimmer, wohl Gelasse für die Kultusgeräte.

Die Inschriften und Darstellungen auf den Wänden und Pfeilern verherrlichen die Schlachten und Triumphe des Königs. Die Vorderseite des kleinen Hathortempels schmücken sechs über 10 m hohe [* 1] Figuren, von denen vier den König, zwei seine Gemahlin, die Königin Nefretere, darstellen. Der fast unmittelbar an den Fluß vorspringende, zwischen beiden Tempeln gespaltene Fels von gegen 100 m Höhe, aus einem festen, feinkörnigen Sandstein bestehend, wird in den hieroglyphischen Inschriften (wie auch der am Südende von Dongola gelegene Berg Barkal) der «heilige Berg» genannt und scheint bei der Anlage der Tempel befestigt worden zu sein, weshalb der Ort hieroglyphisch die «Festung Ramessopolis» genannt wird.

Der heutige Name Abu Simbel ist von einem Felsen hergenommen, der bei der Flußbiegung an einer ins Auge fallenden Stelle einen ägypt. Mann im Basrelief abgebildet trägt, dessen spitz zulaufender Schurz den arab. Schiffern einem Kornmaße ähnlich zu sein schien. Daher nannten sie dieses Bild «Abu Simbel», Kornvater, von sinbel, die Kornähre, und bezeichneten dann die ganze Felsenpartie mit den Tempeln danach. Die frühere Bezeichnung Ib-sambul beruht auf einer unrichtigen franz. Auffassung des Namens. In demselben Landstrich gründete Ramses auch Felsentempel der Götter Re, Ptah und Ammon. –

Vgl.   Dümichen, Der ägypt. Felsentempel von Abu Simbel (Berl. 1869).

Die Darstellungen und Inschriften, sind publiziert in Champollion, Monuments de l’Egypte (4 Bde., Par. 1835–45), und Lepsius, Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien (9 Bde., Berl. 1849–59); Beschreibung von Abu Simbel in Baedekers «Ober-Ägypten» (Lpz. 1891).

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