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Aare


Titel

Aare

(Kt. Bern, Solothurn, Aargau). Gleiche Etymologie wie Aa. Hauptzufluss des Rheins. Das Flussgebiet der Aare nimmt mit 17617 km2, von denen 4850 km2 ^[Berichtigung: 440 km2] auf Gletscher entfallen, 2/5 der Gesamtoberfläche der Schweiz ein. Es erstreckt sich von den Alpen bis zum Jura und umfasst beinah das ganze schweizerische Alpenvorland. (Vergl. Kärtchen.)

vergrössern: Gebiet der Aare. ^[Karte: 5° 0’ O; 47° 0’ N; 1:200000]. [Karten in der Umgebung].
Gebiet der Aare.

Die Hauptzuflüsse der Aare sind:

Linke Seite: 1. Die Lütschine. 2. Die Kander (und Simme). 3. Die Saane (und Sense). 4. Die Zihl (mit Orbe, Areuse, Broye). 5. Die Schüss. 6. Die Dünnern.

Rechte Seite: 1. Die grosse Emme. 2. Die Wigger. 3. Die Suhr. 4. Die Hallwiler Aa. 5. Die Reuss (Aa, kleine Emme, Muotta, Lorze). 6. Die Limmat (Seez, Sihl, Reppisch).

Die Gesammtlänge der Aare beträgt 485 km, ihre Tiefe unterhalb Thun 1-3 m, bei Koblenz bis 6 m., die mittlere Geschwindigkeit 1,5-2 m. pro Sekunde.

Entsprechend den drei grossen geographischen Einheiten der schweizerischen Landschaft: Alpen, Mittelland und Jura, die auch der Aare und dem Aarethal das charakteristische Gepräge verleihen, teilen wir den Lauf der Aare in 3 Abschnitte:

1. Alpiner Anteil vom Oberaargletscher bis Thun.

2. Mittelschweiz. Anteil von Thun bis Aarburg.

3. Jurassischer Anteil von Aarburg bis zur Mündung.

1. Alpiner Anteil.

Die Aare entspringt an den beiden Aargletschern (siehe diese), deren Abflüsse man beide als Quellen der Aare betrachten kann, wenn schon der Gletscherbach des Oberaargletschers denselben bei 2243, derjenige des Unteraargletschers bei 1879 m. verlässt. Gemeinsam durchmessen sie, zahlreiche Arme bildend den steinigen und flachen alten Gletscherboden des Unteraargletschers (Aarboden und Spitalboden). Im Angesicht des Grimselhospizes stürzt sich die junge Aare, vermehrt um den Abfluss des Grimselsees, stäubend und tosend in die Schlucht der Spitallamm, welche der Fluss zwischen den steilen, vom alten Aargletscher abgerundeten Ausläufern des Juchlistockes 2586 m. und dem Spitalnollen 1981 m. eingeschnitten hat.

Hier, wo der alte Saumweg und die neue Strasse dem Felsen völlig abgerungen werden mussten, bleibt die Aare bis weit in den Sommer hinein vom Lawinenschnee bedeckt. Ein früherer Aarelauf ging auf der rechten Seite des Nollens an der Stelle des heutigen Hospizes und der Seen vorbei und gewann das eigentliche Haslithal über den niedern Sattel 1900 m. zwischen dem Nollen und den Hängen des Nägelisgrätli, welcher Einschnitt heute noch der grössern Sicherheit vor Lawinen halber von winterlichen Besuchern der Grimsel eingeschlagen wird.

Als richtiges, wildes Bergwasser mit grosser erodierender Kraft fliesst die Aare in meist tief gegrabener Schlucht, nur im kleinen Becken des Rhäterichsboden kurz sich erholend, bis zur Thalstufe der Handeck. Von Zuflüssen hat sie erhalten links den Bächlisbach vom gleichnamigen Gletscher und rechts, wenige Minuten ob der Handeck, den in wilden Fällen herabstürzenden Gelmerbach, den Abfluss des 400 m. weiter oben in einsamer Felsennische gebetteten Gelmersees.

Die Handeck bezeichnet eine deutliche Thalstufe, wo der Thalboden in steilem Abfall sich um 140 m. erniedrigt. Ein Hauptstück dieses plötzlichen Niveauunterschiedes durchmisst die Aare in dem 46 m. hohen altberühmten Handeckfall, der, früher eine der zu bezahlenden Schönheiten des Berneroberlandes, seit Erbauung der Strasse für jedermann sichtbar ist. Mit der Aare stürzt sich der links seitlich einmündende Aerlenbach (Abfluss des Aerlengletschers) in die grausige Tiefe.

Von der Handeck bis Innertkirchen hat die Aare

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