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Australier


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Über die neuern Forschungsreisen in den einzelnen Teilen A.s s. Westaustralien, Nordaustralien, Alexandraland, Südaustralien, Neusüdwales.

Litteratur. Von den neuern Schriften über Australien sind hervorzuheben: Trollope, Australia and New-Zealand (2 Bde., Lond. 1873; 2. Aufl. 1875);

Ranken, The dominion of Australia (ebd. 1873);

Beauvoir, Australie (in «Voyage autour du monde», 10. Aufl., Par. 1874);

Wallace, Australasia (in Stanfords «Compendium of geography and travel», Lond. 1879);

Hayter, Australasian Statistics for the year 1879, 1884 (Melbourne 1880, 1885);

The Australian handbook and almanac (London, jährlich);

Christmann, Australien Geschichte der Entdeckung und Kolonisation (ein populäres Werk, 2. Aufl., bearb. von Oberländer, Lpz. 1880);

Fitzgerald, Australia (Lond. 1881);

Jung, Der Weltteil Australien (4 Bde., Lpz. und Prag 1883);

Vickers, Voyage en Australien (Par. 1883);

Spencer, Australasia (in den «Consular Reports U.S.», 1884);

Hatton, Advance Australia (Lond. 1885);

Yearbook of Australia for 1885 (ebd. 1885 fg.);

Seelhorst, und Sumatra (Lpz. 1886);

Graf Anrep-Elmpt, Australien (3 Bde., ebd. 1886);

Mann, Eight Months with Dr. Leichhardt in 1846/47 (Sydney 1888);

Lumholtz, Blandt Menneskeœdere (Kopenh. 1888; deutsch u. d. T.: Unter Menschenfressern, Hamb. 1892);

Favene, History of Australian exploration (Sydney 1889);

B. Westgarth, Half a century of Australian progress (Lond. 1889);

E. Giles, Australia twice traversed (ebd. 1889);

Thiéry, Australia (Brüss. 1890);

von Lendenfeld, Australische Reise (Innsbr. 1892);

Alex. und George Sutherland, The History of Australia and New-Zealand from1606 to 1890 (Lond. 1894).

Karten. Hughes und Turner, Map of Australia and New-Zealand 1:20000000 (Lond. 1880);

Bamberg, Wandkarte von Australien 1:8330000 (8. Aufl., Berl. 1888);

Favenc, Sketch map showing explorations made 1878/79, 1882/83 1:625000 (Adelaide 1884);

von Haardt, Schulwandkarte von und Polynesien 1:16000000 (Wien 1885);

Océanie. Carte murale (Brüss. 1885);

The New Atlas of I, II (Sydney 1886; wichtig wegen der Countiesgrenzen; 29 Karten);

Williams, Philips Handy Volume Atlas of Australasia (Lond. 1888; 16 Karten);

Handtke, Generalkarten von Australien 1:20000000 (13- Aufl., Glog. 1889);

Garren, Picturesque Atlas of Australien (Sydney 1888);

außerdem die Generalkarten, Wandkarten von Kiepert (Berlin, Reimer) und die Kartenblätter von in Stielers Handatlas (Gotha 1890);

ferner geolog., botan., ethnolog.

Karte von in Berghaus' Physikal. Atlas (Gotha 1885 fg.). Skenes Karte: Continental Australia in in 1:3200000 ist in neuer Auflage 1889 in Melbourne erschienen.

Australier,

in weiterm Sinne die Bewohner der Inseln der Südsee (s. Tafel: Australische Völkertypen; Melanesier, [* ] Fig. 1, 5, 7, 9, 11; Polynesier, [* ] Fig. 4, 6, 8, 10, 13,14; Papua, [* ] Fig. 2, 12). Im engern Sinne versteht man unter Australier die Urbewohner des austral. Festlandes, die eine von den Bewohnern der umliegenden Inseln verschiedene Rasse bilden (s. Tafel [* ] Fig. 3). [* ] Die Körperfarbe der Australier ist ein gesättigtes Kaffee- oder Schokoladenbraun; nur im Gesicht machen sich gelbe Töne bemerkbar.

Die Haut fühlt sich weich an. Das Kopfhaar ist rein schwarz, etwas hart anzufühlen, mit Neigung zur welligen Biegung, die sich weniger im Anfange als im weitern Verlaufe bemerkbar macht. Mitunter biegen sich nur die Enden um, ohne sich in eigentliche Locken zusammenzufügen. In andern Fällen findet dagegen ausgesprochene Lockenbildung statt. Wird das Haar schlecht gepflegt, so steht es buschig vom Kopfe ab und verfilzt, ähnlich wie bei kraushaarigen Rassen. Die Fälle von Kraushaarigkeit unter den Australier sind wohl auf Kreuzungen mit kraushaarigen Individuen zurückzuführen, welche im S. von Tasmanien, im N. von Neuguinea auf den austral.

Kontinent übersetzten. Einige Forscher sind allerdings der Meinung, daß vor den jetzigen Australier auf ihrem Kontinente eine wollhaarige Rasse existierte, von der die gegenwärtig vereinzelt vorkommenden wollhaarigen Individuen abstammen. Der Querschnitt der Haare ist kreisförmig. Die Enden, welche sehr dünn werden und fast ganz zugespitzt auslaufen, sind hell gelbbraun oder ganz farblos. Die Behaarung auf dem übrigen Körper ist eine ziemlich reichliche. Die Farbe der Augen ist braun, das Weiße im Auge durch bräunliche Färbung sehr unrein.

Die Stirn tritt etwas zurück und zeigt bei ältern Individuen starke, knöcherne Augenbrauenwülste. Die Nase ist kurz und niedrig; da die Flügel sehr breit und die Nasenlöcher weit sind, so folgt daraus jene häßliche Form, die in dem austral. Gesicht abschreckend wirkt. Oft ist die Nase so hoch wie breit. Trotz der dicken Lippen ist der Prognathismus wenig ausgebildet. Die Schädel sind dolichokephal (Längenbreitenindex 71,0), der Kopf ist schmal und von mäßiger Höhe, die Schädelgeräumigkeit ist verhältnismäßig gering (1347 ccm beim Manne).

Die beobachteten Maximal- und Minimalmaße der Körperhöhe betragen 2,130 und 1,447 m. Im Durchschnitt ergiebt sich als Größe 1,60 bis 1,70 m. Sowohl Arme als Beine erscheinen ungewöhnlich lang; die Klafterweite übertrifft die Körperhöhe in der Regel beträchtlich. Das Leben der Australier ist ein armseliges. In Familien oder kleinen Horden ziehen sie nackt ohne feste Wohnsitze umher und suchen unter dem primitivsten Laubdach Schutz vor Wind und Regen. Da die von den Küsten vordringende Kultur sie in das trostlose Innere des Kontinents zurücktrieb, so gehen sie schnell ihrem Untergange entgegen.

Eingeschleppte Krankheiten, wie Pocken, Masern und Scharlach, decimieren die Stämme, und der Branntweingenuß trägt das Seinige dazu bei, die Widerstandsfähigkeit des Körpers zu untergraben. Auch sind die Fälle nicht vereinzelt, wo man, um sich des lästigen Raubgesindels zu entledigen, durch vergiftetes Mehl Massenvergiftungen herbeiführte. Die Waffen der Australier bestehen in Speer, Keule, Schild und Bumerang (s. d.), welch letzteres sie mit bewundernswerter Geschicklichkeit handhaben.

Ihre Nahrung bilden Fische, die Ergebnisse der Jagd, Wurzeln und einige wild wachsende Getreidearten. Staatliche Verbindung blieb ihnen unbekannt; die Zersplitterung in einzelne Familien erklärt die bei einem in jeder Hinsicht so gleichartigen Volksstamme auffallende Verschiedenheit in den Sprachen. (S. Australische Sprachen.) Die von Europäern gemachten Versuche, die Australier zu unterrichten und an ein seßhaftes Leben zu gewöhnen, scheiterten so gut wie vollkommen an ihrem unbezähmbaren Triebe zum Umherschweifen. Gleichwohl sind ihre geistigen Fähigkeiten keineswegs so geringfügige, als man früher allgemein annahm. Daß von hoher geistiger Entwicklung nicht die Rede sein kann, ist klar. Wo es jedoch gelang, jugendliche Individuen in civilisierter Gesellschaft zu erziehen, waren die Resultate ganz überraschende.

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