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Byzantinische Kunst

  

Mosaiken. Von diesen gebe ich in Fig. 222 und 223 Proben, die zwar beide aus Ravenna stammen, aber gewiß von byzantinischen Künstlern gearbeitet wurden.

Das Bild «Der gute Hirte», womit Christus gemeint ist, zeigt noch größere Freiheit; die Haltung ist ungezwungen, in der Anordnung wie auch in der Landschaft wird noch der Versuch gemacht, malerisch zu wirken; es vertritt den älteren Stil, in dem sich noch viele antike Züge lebendig erhalten haben. Ganz byzantinisch, starr und tot, ist das zweite Mosaik, das die Kaiserin Theodora mit zahlreichem Gefolge vorführt. Die Kunst der freien Darstellung ist völlig verloren gegangen und an die Stelle des eigenen Empfindens der Künstler, das durch strenge Regeln, die kaum noch «Kunstregeln» zu nennen sind, vorgeschriebene «Schema» getreten.

Pala d'oro. Von den Werken der prunkvollen Kleinkunst gebe ich in Fig. 224 als Beispiel das Mittelstück der schon auf S. 209 erwähnten Pala d'oro aus der Markuskirche in Venedig. Diese Pala d'oro ist eine goldene Altartafel, die in einer reichen, mit Edelsteinen geschmückten Einfassung 83 Emailbilder enthält, die Christus, Apostel, Propheten und Engel teils einzeln, teils in handelnden Gruppen darstellen. Das Mittelstück zeigt den thronenden Christus und in den vier runden Rähmchen die Evangelisten, die übrigen Felder enthalten Apostel und Engelbilder.

Die Tafel ist wahrscheinlich im 10. Jahrhundert in Konstantinopel verfertigt und im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts durch Hinzufügungen verändert worden. Die Darstellungen sind äußerst sauber und kunstvoll ausgeführt, so daß die Pala d'oro zu den besten erhaltenen Werken der byzantinischen Kunst gehört. Die Kleinheit der Abbildung läßt leider von alledem nur wenig erkennen, doch giebt sie wenigstens einen Begriff davon, auf welchen Wegen sich die Kunst dieser Zeit befand.

^[Abb.: Fig. 224. Mittelstück aus der «Pala d'oro».

Venedig. S. Marco.]

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