Main

Seite 66.467

Waldeck (Fürstentum) [unkorrigiert]

Waldeck (Fürstentum) [unkorrigiert]

klein.


forlaufend

465



8922 bewohnte Wohnhäuser, 11536 Haushaltungen und 59 Anstalten, d. i. eine Zunahme seit 1890 um 485 Personen oder 0,34 Proz. Der Hang zur Aus- wanderung, hauptsächlich uach Nordamerika uud den industriereichen Gegenden Westfalens uud Rheinpreußens, ist besonders start bei der säebs.

Be- völkerung im Norden und Westen des Landes, wäb- rend die den Südosten bewohnenden tränten seßbaf- ter sind.

Überhaupt ist der Unterschied beider Stämme in Charakter, Sitten, Sprache und Bauart deutlich erkennbar.

Die Zahl der Geburteu betrug 1896: 1729, der Eheschließungen 392, der Sterbefälle (ein- schließlich 65 Totgeburten) 1043. Einwohnerzahl der Kreise: Kreise Ortsauwesende Bevölkerung Evangelische Katholiken Israe liten 1395 1890 Der Twiste . . Tcs Eisenberges Der Eder . . . Pyrmont . , 16 588 17 68 15138 8 354 16 583 17 633 14 913 8 102 15871 16 639 14 714 7 988 502.779 136 283 201.193 228 74 Fürstentum j 57 76U j 57281 j 55212 ^ 1700 6'.'6 Häupter w e r b s z w eige sind Ackerbau und Vieh- zucht. 1893 tameu auf Acker- und Gartenland 32014, Wiesen 13884, Weiden und Hutungen 2443, Forsten und Holzungen 31132 Iia.

Die Ernte- fläche betrug 1895 von Roggen 7744, Weizen 1856, Gerste 3417, Kartoffeln 5123, Hafer 6 und Wiesenheu 14059 na;

der Ernteertrag 9758 t Roggen, 3076 Weizen, 4997 Gerste, 48684 Kar- toffeln, 9953 Hafer, 23754 Ruulel- und 1767 Kohl- rüben, 10240 Mee (Heu) und 30627 t Wieseubeu. Die Viebzählung vom ergab 6381 Pferde, 25602 (1893: 22581) Stück Rindvieh, 52566 Schafe, 27469 (27538) Schweine, 8053 Ziegen und 2549 Bienenstöcke. 1893 waren bestan- den mit Lanbbolz 1318 Iiu, darunter 39 1u Eichen, und mit Nadelbolz 29814 Wi. Die Industrie ist unbedeutend;

Pyrmont hat Cigarren- und Tabakfabriken', außerdem werden her- gestellt: Liqueure (Arolfen), Strobpapier (Vrcrcn), Maschinen (Wetterburg), Holzessig (Gellershauseu), Butter uud.Nase sowie grobe Stoffe (Leinwand und Beiderwaud) für deu Hausgebrauch des Landvolks. Von Bergwerken sind die Eiscnsteingruben bei Adorf erwähnenswert.

Der Handel ist gering, zum Teil wohl infolge des Mangels an Eisenbahnen uud Wasserwegen.

Nur zwei Seknndärbahncn berühren das Land: Wabern-Wildungen und Warburg- Arolscu-Corbach.

Für deu Unterri cb t bcsteben ein Gymnasium zu Corbaeb, ein Realprogvninasium zu Arolscn, ein Pädagogium ^u Pyrmont, eine ge- hobene Bürgerschule zu Wildungen, eine landwirt- schaftliche Winterschule zu Meugeriughausen und 123 Elementarschule::. Die Verfassung datiert vom Die Fürsteuwürde erbt im Mauusstammc des wal- deckischen Fürstenhauses einschließlich der gräfl. Linie nach denl Rechte der Erstgeburt fort;

beim Erlöschen dev Mannsstammes folgt in Waldeck die weib- liche Linie, in Pyrmont Prcuheu.

Der Landtag be- steht aus 15 Abgeordneten, die durch allgemeine in- direkte Wahl auf drei Jahre gewäblt werden. Er tritt alljährlick im Oktober zusammen.

Die Ge- meinde- und Kreisverfassung vom verleibt den Gemeinden weitgebende Selbständig- keit.

Nach dem 1877 und 1887 erneuerten Aeeessions- Brockhaus' Kouversatwus Lexikon. 14. Aufl. XVI. vertrag mit Preußen vom bleibt dem Fürsten die Vertretung nach außcu, die sich jedoch auf deu Bevollmächtigten (eine Stimme) beim Bundesrate (bisher stets in der Person des Landes- direktors) beschränkt, die Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten und des Domanialvermö gens, das Recht der Begnadiguug und das formelle Recht der .)ustimmuug zu ueuen Gesetzen.

Die innere Ver- waltung fübrt der von Preußen im Einverständnis mit dem Fürsteu ernannte Landesdirektor.

Der Etat für 1895 ist in Einnahme (einschließlich eines Zu- schusses von 310.000 M. aus der preuß. Staatskasse) und Ausgabe auf 1.261.952 M. festgestellt worden. Die 4prozentige, sich durch eine steigende Amorti- sationsquote alljährlich vermindernde Staatsschuld belief sieb Juli 1894 auf 2.130.300 M. Betreffs der Rechtspflege gehört Waldeck zu den Landgerichtsbezirken Cassel und Hannover;

in Arolsen, Corbach, Wildun- gen und Pvrmont befinden sich Amtsgerichte.

Nach derVtilitärkonventionvonl6.Aug.1867uud24.Nov. 1877 bilden die Truppeu ein Bataillon des preuß. Infanterieregiments von Wit- nch Nr. 83. In den Reichstag wählt einen Abgeordneten Reformpartci).

Haupt- und Re- sidenzstadt ist Arolsen.

Das Wappen ist gespalten;

rechts das für Waldeck: in Gold ein schwar- zer Stern von acht Strahlen; links das von Pyrmont: in Silber ein rotes Ankerkreuz;

das Gauze ist mit demFürsten- but bedeckt.

Die Land esfar- bcn sind Schwarz-Rot-Gelb. Waldeck hat einen Verdienstorden (s. d.). Geschichte. Die Fürsten von Waldeck stammen von den im frühern Mittelalter an der Dicmel und Weser reich begüterten Grafen voll Schwalenberg ab; ihr ältester, geschichtlich nachgewiesener Vorfahr war der Graf Widctind (gest. 1137).

Von seinen Söhnen wurde Volkwin 1., der Schloß Waldeck erwarb, durch seiue Eukel Voltwiu III. und Adolf Stifter der Grafen von Schwalenberg und Waldeck, Widetind IV. der von Pyrmout, die 1494 erloschen. 1397 teilten die Söbne von Adolfs Nachkommen, des noch im Voltsmuude lebenden Heinrich IV. des Eisernen, das Land so, daß Heinrich V. (1397-1442) Waldeck und Adolf (1397-1431) Landau erhielt.

Infolge dieser Tciluug trat die Grafschaft in ein Lehusverhältnis zu Hessen, welches später sogar zu Hess.

Ansprüchen auf die Landeshoheit über Waldeck Veranlassung gab und erst durch die Rheinbuudsakte faktisch, durch einen Schiedsspruch des Bundestags 1847 auch rechtlich beseitigt wurde.

Wä'brend der Regierung des Grasen Philipp IV., der auch später dem Schmal- laldischen Bunde beitrat, wurde 1526 die Reforma- tion eingeführt.

Nntcr dem bedeutendsten von seinen Nackfol'gern, dem Rcichsfcldmarschall Georg Fried- rich (16 s. Waldeck, Georg Friedrich), der zuerst (seit 16"2) den Fürstcntitcl trug, wurde 1685 der noch geltende Erstgeburtsvertrag errichtet, um die feruere Zersplitterung des Landes zu verhüten. In der That vereinigte, nachdem mit Georg Friedrich die Eisenbergiscke Linie erloschen und ihre Ve- sitzuugen au die jüugcre Wildungischc Linie gekom- men waren, Christian Ludwig (gest. 1706)'zuerst wieder die getreunten Teile, die seitdem stets ver- buuden geblieben sind.

Ludwigs Nachfolger, Anton 30

facebook