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Schwindsucht - Schwingung [unkorrigiert]

Schwindsucht - Schwingung [unkorrigiert]

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Schwindsucht, im allgemeinen (^al)68, lade- Lcentia) alle langwierigen Krankheiten, bei denen die Kranken allmählich, aber unaufhaltsam an Fleisch und Kräften abnehmen. Die ältere Medi- zin unterschied als zwei Hauptklassen die Darrsucbt (s. d.) oder trockne S., Abzebrung ftiaraLinuZ), von der eigentlichen S. oder Auszebrung (s. d.), bei wel- cker letztern reichliche Stoffverluste und trankhafte Entzündungs- oder Eiterungsprozcsse als Ursachen des allmählichen Abzehrens vorlagen und meist hek- tisches Fieber (s. Hektik und Fieber) vorbanden war.

Von den Laien wird unter S. fast ausschließlich die Lungenschwindsucht (s. d.) verstanden. (S.Pbtbisis.) Schwindung, die Verkleinerung des Raum- inhalts oder der Abmessungen, welche vcrscbiedene Körper infolge gewisser Physik. Vorgänge ersabren. Die Zabl, welche die S. angiebt, beißt Schwind- en aß. Holz (s. d., Vd. 9, S. 305 a.) schwindet beim Trocknen, gegossene Metalle beim Abkühlen, wesbalb die Gußmodclle entsprechend größer sein müssen als die fertigen Gußstücke.

Gußeisen schwindet z. B. um ^/gg seiner Abmessungen;

gegossener Stahl ^75; Zmk '/"?;

Vlcssing ^2'. Zinn'',47: Vlel ^2. Bei der Verarbeitung der Körper zu Gebraucksgegen- ständen kann die S. verschiedene üble Folgen nack sich ziehen, Holzgegcnstände werfen sich oder reißen infolge des Umstandes, daß die S. in verschiedenen Richtungen nicht die gleiche ist;

ebenso können metallene Gegenstände sich verziebcn oder innere Spannung, d. h. Neigung zum Zerspringen be- kommen oder aucb wirklich zerspringen, wenn ein- zelne Teile des Abgusses früher schwinden als andere, sei es, daß sie schwacker im Querschnitt sind als diese oder daß sie durch irgend einen Zu- fall rascber abgekühlt wurden;

im Innern ge- gossener Metallgegenstände aber pflegt sich da, wo das Metall am längsten flüssig bleibt, ein bobler Raum zu bilden infolge des Umstandes, daß hier noch S. eintritt, nachdem die früher erstarrte Kruste bereits geschwunden ist. Da jener Dohlraum ur- sprünglich vollständig luftleer ist, so verrät sich dessen Entstehung nicht selten durch ein Senken der Oberfläche des Abgusses oder eine völlige Trichter- bildung an der betreffenden Stelle: die Luft drückt die Oberfläche zusammen und strebt, den leeren Raum auszufüllen (Lungern oder Saugen). Durck geeignete Kunstgriffe kann der Gießer die geschilderten übcln Folgen der S. verhüten. Schwingekanal, ehemalige Kanalverbindung zwischen Oste und Schwinge: auch soviel wie Elmer Schiffgraben. Über beide s. Tabelle beim Artikel Fehn- und Moorkolonien (Vd. 6, S. 629). Schwingel, Pflanzengattung, s. 563wc5. Schwingen, eine Operation der Flachs- und Hanfspinnerei (s. Flachsspinnerei, Vd. 6, S. 859d). - S. im Seewesen s. Schwoien. Schwingen, in der deutschen Schweiz eine in manchen Bcrggcgcnden vorkommende Form des Ringens, bei der sich beide Teile gegenseitig mit der Faust und ausgestrecktem Arme am Wulst ihrer bis zum Oberschenkel zurückgerollten Beinkleider oder an besonders dazu bestimmten Schwinghosen fassen in die Höhe zu heben und durch einen kräftigen Schwung zu Boden zu werfen.

Dieses Kampffpiel, das in Beinen und Armen große Kraft und Ge- wandtheit erfordert, hat seine genau bestimmten alt- hergebrachten Regeln; Sieger ist, wer den Gegner auf den Rücken wirft. Die Schwinger benachbarter Thäler, oft auch mehrerer Kantone, versammeln sich an bestimmten Tagen und Punkten zum Wettkampf oder «Schwinget», so auf der Großen Scheideck, auf den Alpen zwiscken Obwalden und Oberhasle, Em- menthal und Entlebuch u. s. w.; seltener bei Inter- laken, Bern, Vurgdorf u. s. w., wo die Schwingfeste größere Dimensionen annehmen, aber auch viel von ihrer Ursprünglichkeit und Volkstümlichkeit einbüßen.

Wer an mehrern aufeinander folgenden Schwing- festen Sieger geblieben, ist der Schwingerkönig. Als die besten Schwinger gelten die Emmenthaler und Oberhaslcr (Bern), die Entlebucher (Luzern) und die Oberwaldner.-

Vgl.   Schärer, Anleitungen zum Ringen und S. (2. Aufl., Bern 1883);

Ofenbrüggen, Die Scbweizer (Bcrl. 1875);

G. Herzog, Schweiz. Volksfeste, Sitten und Gebräuche (Aarau 188^).

Schwingfaden, Algcngattung, s. Osciiiai-iH. Schwingkölbchen oder Halteren (HHlt6r68), die verkümmerten Hinterflügel der Zweiflügler (f. 0.), welche die Gestalt kleiner mit einem runden Endknopf versehener Stielcken angenommen haben. Ihre Be- deutung ist unklar, doch spricht der Umstand, daß sich an ibrem Grunde ein Nervcnapparat befindet, dafür, daß sie irgend eine Sinneswahrnchmung vermitteln. Schwingkrau oder Droop, ein Kran zum Senken von Lasten, der zum Niederlassen und Ent- laden von Steinkohlenwagen, beim Beladen von Schiffen mit Steinkohlen besonders in England Verwendung findet.

Der von einem erhöhten Gleis berabzusenkende Kohlenwagen wird an das eine Ende des Kranauslegers gehängt; dieser besteht aus einem doppelarmigen um eine horizontale Achse drehbaren Hebel, der in der Ruhelage fast senkrecht steht. Das andere Hebelende ist mit einem Gegen- gewicht belastet; auf der Hebelachse sitzt eine Brems- sckeibe. Löst man die Bremse etwas, so dreht sich durcb das Übergewicht des angehängten Kohlen- wagens der Ausleger herab, bis der Wagen unten ankommt und abgelöst wird.

Hierauf schwingt der Ausleger, angetrieben durch das Gegengewicht am Hebelende, wieder nach oben. ^S. 859d). Schwingmaschine, s. Flachsspinnerei (Vd. 6, Schwingung, Vibration odcrOscillation, jede Bewegung, die einen Körper zwischen bestimmten Grenzen nach bestimmten Gesetzen hin- und wieder zurückführt; fo die Bewegungen des Pendels (s. d.), des Wagebalkens, der Glocken, der gespannten Saiten, der im Gleichgewicht gestörten Magnet- nadel u. s. w. Der Schall (s. d.) besteht aus S. der Luft, das Licht (s. d.) aus solchen des Äthers. S. treten überall auf, wo das stabile Gleichgewicht (s. d.) eines Körpers gestört wird und derselbe die Gleich- gewichtslage wieder zu gewinnen sucht. Hängt z.B. eine Last k (s. vorstehende [* ] Fig. 1) an einer Spiral- feder 3, so wird das Gewicht der erstern bei einer ge- 48*

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