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Kristalldruse - Kristallisation


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soll, daß die Verschiedenheit der Kristallsysteme in der Verschiedenheit der optischen Eigenschaften einen einfachen und klaren Ausdruck erhält. Während alle tesseral kristallisierenden Substanzen, ebenso wie die amorphen, einfach brechend sind, ist die Doppelbrechung an alle übrigen Kristallsysteme geknüpft, mit dem weiter gehenden Unterschied, daß die Substanzen des quadratischen und hexagonalen Systems optisch einachsig (unter Zusammenfallen der optischen Achse mit der Richtung der kristallographischen Hauptachse), die der drei übrigen Systeme optisch zweiachsig sind. Es scheint, als ob sich alle diesem Gesetz widersprechenden Erscheinungen auf Spannungen, Einschlüsse, Zwillingsverwachsungen etc. zurückführen ließen. (Vgl. Mineralien und namentlich hinsichtlich der Geschichte der Kristallographie: Mineralogie.)

Kristalldruse,

in der Mineralogie eine Mehrheit von Kristallen, die, auf einer gemeinsamen Basis aufsitzend, sich an den Wänden von rundlichen Hohlräumen oder Spalten gebildet haben, und bei denen daher nur die gegen das Innere des Hohlraums gekehrten Enden ebenflächig entwickelt sind. Die Ausfüllung der Drusenräume ist in der Regel nicht gleichzeitig erfolgt, sondern es sind ältere und jüngere Bildungen zu unterscheiden, von denen die innersten die jüngsten sind, die oft allein Kristalle entwickeln, während die ältern Generationen kristallinische Schalen darstellen. So finden sich in Hohlräumen der Kalksteine Kalk- und Braunspat-, in Kieselgesteinen Quarzdrusen, Amethystdrusen als innerste Bekleidung der Achatmandeln (s. Achat) im Melaphyr, Zeolithdrusen in vulkanischen Gesteinen; reich sind auch die Erzgänge an solchen Drusenbildungen. - Die Kristallgruppe wächst im Gegensatz zur Druse von einem Punkt oder einer Linie aus nach außen (Gips und Kalkspat in Sand) und besitzt deshalb die vollkommen entwickelten Individuen an der äußern Begrenzung. Vgl. Mineralien.

Kristalldrusen

der Pflanzen, s. Kristallschläuche.

Kristallelektrizität,

s. Pyroelektrizität.

Kristallglas,

s. v. w. Bleiglas, s. Glas, S. 384 u. 390.

Kristallgruppe,

s. Kristalldruse.

Kristallhöhlen

(Kristallkeller), s. Quarz.

Kristallin,

veralteter Name für Anilin.

Kristallinisch,

aus meist kleinern, gewöhnlich nicht vollständig ausgebildeten Kristallen bestehend, Eigenschaft vieler Gesteine, die nach Größe, Anordnung etc. dieser kristallinischen Bestandteile eingeteilt werden (vgl. Gesteine), oder, im Gegensatz zu amorph, Substanzen, welche die Fähigkeit besitzen, unter günstigen Umständen Kristalle zu bilden, und deren Aggregate stets aus einzelnen Individuen bestehen (vgl. Mineralien, morphologische Eigenschaften).

Kristallisation

(Kristallbildung). Kristalle bilden sich, wenn Dämpfe kristallisierbarer Körper abkühlen, wie bei Sublimationen, wenn geschmolzene kristallisierbare Körper erstarren, wenn Lösungen solcher Körper verdampfen oder abkühlen, und wenn zwei Lösungen, die sich gegenseitig zersetzen und einen neuen kristallisierbaren Körper bilden, langsam, z. B. durch Vermittelung einer porösen Scheidewand, zu einander treten. Man beobachtet dabei stets zuerst einzelne isolierte Kristalle, bald aber setzen sich an diese neue Kristalle an, und so entstehen allmählich Aggregate, welche aus dicht miteinander verbundenen Kristallen bestehen, die sich gegenseitig in der Ausbildung gehindert haben.

Solche Massen nennt man kristallinisch. Ihr kristallinisches Gefüge tritt besonders auf dem Bruch deutlich hervor. Die Ausbildung der Kristalle erfolgt nur an denjenigen Teilen vollkommen regelmäßig, welche frei in eine Flüssigkeit oder in Dampf hineinragen, während die Teile, mit welchen sie aus festen Körpern (andern Kristallen, Gefäßwandungen etc.) aufsitzen, stets die Gestalt dieser Unterlage zeigen. Im allgemeinen werden Kristalle um so schöner und größer, je langsamer sie sich bilden.

Man muß deshalb die Abkühlung der Dämpfe, welche bei ihrer Verdichtung Kristalle liefern, der geschmolzenen Körper und der heißen Lösungen solcher Körper, die bei niederer Temperatur schwerer löslich sind als bei höherer, möglichst langsam und gleichmäßig erfolgen lassen. Deshalb werden, besonders bei schwerer kristallisierbaren Körpern, und wenn es sich um möglichst vollkommene Ausbildung der Kristalle handelt, die Kristallisationsgefäße aus schlechten Wärmeleitern (Holz etc.) hergestellt, metallene Gefäße mit schlechten Wärmeleitern umgeben (mit Blech ausgekleidete Holzgefäße, Strohumhüllungen, Bedecken der Gefäße mit wollenen Tüchern), Porzellanschalen auf Strohkränze gestellt, Sublimationsgefäße mit trocknem Sand beschüttet etc.

Die Größe der Kristalle ist aber auch von der Natur der betreffenden Körper wesentlich abhängig, manche Körper bilden leicht und stets sehr große Kristalle, andre erhält man immer nur in kleinen Kristallen. Ein und derselbe Körper aber liefert unter sonst gleichen Verhältnissen größere Kristalle, wenn man mit bedeutenden Massen arbeitet, als bei Operationen im kleinen. Ausgebildete Kristalle können in gesättigten Lösungen derselben Substanz fortwachsen, sich regelmäßig vergrößern, wenn man die langsame Verdunstung der Lösung, in welcher sich die Kristalle befinden, begünstigt.

Hierauf beruht auch die Erscheinung, daß ein Haufwerk sehr kleiner Kristalle (Kristallmehl), wenn es längere Zeit von der Lösung, aus der es entstanden ist, oder überhaupt von Flüssigkeit durchtränkt liegen bleibt, allmählich grobkörnig wird, indem die größern Kristalle durch Substanzanlagerung aus der sie umgebenden Lösung wachsen, während die kleinern nach und nach vollständig in Lösung gehen. Stört man die Kristallbildung in einer heiß gesättigten abkühlenden Lösung durch Umrühren (gestörte Kristallisation), Erschütterungen oder durch schnelle Abkühlung, so erhält man Kristallmehle.

Begünstigt wird die Kristallbildung durch rauhe Flächen, durch Reiben der Innenwand der Gefäße mit einem Glasstab unter dem Spiegel der Lösung (besonders bei Glas- und Porzellangefäßen), auch durch Erschütterungen. Man spannt deshalb in Kristallisationsgefäßen Fäden oder Strohhalme aus oder legt Bandeisen so über die Gefäße, daß es die Oberfläche der Lösung berührt (Sodafabrikation), und so erhält man an diesen rauhen Körpern die größten und schönsten Kristalle. Am kräftigsten wird die Kristallisation einer Lösung angeregt, wenn man einen Kristall derselben Substanz hineinlegt.

Da die Kristallform für jeden Körper etwas Wesentliches ist, so repräsentiert jeder Kristall die Substanz, aus welcher er besteht, im Zustand großer Reinheit. Befinden sich zwei oder mehr verschiedene Körper in einer und derselben Lösung, so kristallisiert jeder für sich (nur isomorphe Körper kristallisieren zusammen). Die Kristalle des einen sind frei von dem andern Körper, und man kann beide auf diese Weise voneinander trennen. Hierauf beruht wesentlich die Anwendung der Kristallisation in der Technik. Nicht immer gelingt indes die Reinigung durch einmalige Kristallisation. Größere Kristalle schließen nämlich oft mechanisch kleine Teile der Lösung ein und werden

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