österreich.
[* 3] Herzogtum, grenzt nördlich an
Ober- und
Niederösterreich, östlich
an
Ungarn,
[* 4] westlich an
Salzburg
[* 5] und
Kärnten, südlich an
Krain
[* 6] und
Kroatien und umfaßt 22,355 qkm (405,99
QM.). Die Bodenbeschaffenheit veranlaßt eine natürliche
Einteilung des
Landes in das Hochgebirgsland von Obersteiermark,
das fruchtbare Hügelland von Mittelsteiermark und das von
Slowenen bewohnte Bergland von Untersteiermark. Das Land nimmt
an allen
Ketten der Ostalpen
Anteil: am nördlichen Gebirgszug durch die zu den Salzkammergutalpen gehörigen
Massivs des
Dachsteins (2996 m), des
Kammergebirges, des Totengebirges, des Grimming (2346 m), des
Pyrgas (2244 m) und des Buchsteins
(2224
m), alle nördlich
von der
Enns gelegen.
Südlich von dieser erheben sich zwischen
Enns und
Mur die eigentlichen Steirischen
Alpen,
[* 7] im westlichen Teil auch Niedere
Tauern
genannt, mit dem Hochgolling (2863 m), im östlichen Teil als
Seckauer
Alpen, welche noch weiter östlich
in die Steirisch-Österreichischen
Alpen übergehen, mit den
Gruppen des Hochthor (2372 m),
Hochschwab (2278 m) und Hochveitsch
(1982 m), woran sich endlich der Semmeringberg und
-Paß anschließen. Das Gebiet der S. zwischen der
Mur undDrau
wird von den Kärntnerisch-Steirischen
Alpen erfüllt mit dem
Eisenhut (2441 m) im äußersten Südwesten und dem Zirbitzkogel
(2397 m), südlich von
Judenburg.
Zwischen
Lavant und
Mur befinden sich die Stainzer
Alpen mit der Koralpe (2141 m), deren östliche Fortsetzung, der Posruck
und die weinreichen
Windischen
Bühel, sich zwischen
Mur und
Drau herabsenkt. Östlich
von der
Mur erheben
sich die
Fischbacher
Alpen, welche nördlich mit dem
Wechsel (1738 m) dem
Semmering gegenübertreten, den Schöckel bei
Graz
[* 8] (1446
m) einschließen und nach O. gegen die
Raab
[* 9] hin in das Steirische Hügelland übergehen. Das Land in S. zwischen
Drau und
Save
endlich gehört den
Karawanken und
Steiner Alpen (Grintouz 2559 m, Oistriza 2350 m) mit deren östlichen
Fortsetzungen, dem
Bachergebirge (1542 m), dem Bergland von
Cilli und dem Matzelgebirge
an der kroatischen
Grenze, an.
Größere
Ebenen sind: das
Grazer,
Leibnitzer und
Pettauer
Feld.
Die wichtigsten
Flüsse
[* 10] sind: die
Drau, welcher die
Mur (mit der
Mürz) zufließt, und die
Save (mit dem
Sann
und der Sotla).
Minder wichtig, weil nicht schiffbar, sind: die
Enns (mit der
Salza), die
Raab (mit der Feistritz und Lafnitz)
und die
Traun, die aus den Abflüssen der
Seen des steirischen
Salzkammerguts, des
Grundelsees, Altausseer
Sees und
Ödensees,
entsteht. Außer diesen gibt es in S. nur kleine Gebirgsseen, z. B. den
Leopoldsteiner
See bei
Eisenerz, den Erlafsee
an der österreichischen
Grenze.
S. zählte Ende 1869: 1,137,990, Ende 1880: 1,213,597 Einw., so daß sich die
Bevölkerung
[* 12] im
Durchschnitt jährlich um 0,58
Proz. vermehrte und auf 1 qkm 54 Einw. kommen. Ende 1887 wurde sie
auf 1,261,006
Seelen berechnet. Der
Nationalität nach sind 67 Proz. Deutsche
[* 13] und 33 Proz.
Slowenen (die Sprachgrenze läuft
südlich von Eibiswald nach Spielfeld
an der
Mur, dann längs derselben; außerdem finden sich deutsche Sprachinseln im slowenischen
Gebiet), der
Religion nach größtenteils Katholiken (nur 9221
Protestanten und 1782 Israeliten).
Die produktive Bodenfläche beträgt im ganzen 93 Proz.; von derselben kommen auf Ackerland 20,26
Proz., auf Weinland 1,63, auf
Wiesen 12,78, auf
Weiden und
Alpen 12,62, auf
Wald 51,48 Proz., so daß unter allen
Kronländern
Österreichs S. verhältnismäßig das waldreichste ist. Die fruchtbarsten Teile des Herzogtums sind
die
Thäler, besonders das
Mur- und das Mürzthal, und mit geringen Ausnahmen die
Ebenen. Hauptprodukte sind: Hafer
[* 14] (durchschnittlich
1,450,000
hl),
Mais (1,220,000
hl),
Roggen¶
Steiermark (geographis
* 16 Seite 15.257.
^[Leere Seite]
¶
(1,000,000 hl) und Weizen (815,000 hl); ferner Buchweizen (600,000 hl), Hirse,
[* 17] Kartoffeln (1,640,000 hl), Futterrüben (3,150,000
metr. Ztr.), Kraut, Kürbisse, Klee, Heu; endlich von Handelspflanzen Flachs (30,000 metr. Ztr.), Hanf, Hopfen
[* 18] und Weberkarden. Die
Obstkultur ist noch sehr vernachlässigt, gutes Obst (Äpfel und Pfirsiche) kommt hauptsächlich nur in der Gegend
von Marburg
[* 19] vor. Die Weinkultur erstreckt sich von Mittelsteiermark über das ganze Unterland (Zentralpunkte: Luttenberg,
Radkersburg, Gonobitz) und liefert gute Sorten (durchschnittlich 375,000 hl). Von großer Bedeutung ist die Viehzucht.
[* 20] In ausgedehnterm
Maß wird die Pferdezucht
[* 21] nur in einzelnen Hauptthälern, so im Ennsthal, betrieben, wo das schwere norische Pferd
[* 22] zu
Hause ist.
Von Rinderrassen sind das Pusterwalder und Mürzthaler Vieh in Obersteiermark, die Mariahofer Rasse im mittlern und südlichen
S. vertreten. Auf niedriger Stufe steht die Schafzucht, wogegen Schweine
[* 23] sehr stark gezüchtet werden. Geflügel kommt namentlich
in den slowenischen Teilen sehr häufig vor. Auch mit Seidenraupen werden seit längerer Zeit Versuche
gemacht. Nach der Zählung von Ende 1880 betrug der Viehstand in S.: 61,338 Pferde,
[* 24] 663,173 Stück Rindvieh, 188,273 Schafe,
[* 25] 43,821 Ziegen und 532,721 Schweine. Die Flüsse und Seen sind reich an trefflichen Fischarten (Forellen, Saiblingen). Auf den Hochgebirgen
trifft man noch Gemsen; außerdem ist die Jagd von geringem Belang.
Den größten Reichtum besitzt S. in seinen nutzbaren Mineralien.
[* 26] 1887 waren 84 Bergbau- und 19 Hüttenunternehmungen mit zusammen
12,719 Arbeitern im Betrieb; die Produktion ergab einen Wert von 11,24 Mill. Gulden. Am wichtigsten ist die Produktion von Roheisen,
welche durch die ausgezeichnete Qualität des Produkts Weltruf erlangt hat, quantitativ aber in den letzten
Jahren (wegen der durch die Konkurrenz andrer Produktionsländer gedrückten Preise) erheblich eingeschränkt worden ist. Es
waren 1887 nur 8 Eisenerzbergbaue im Betrieb, vor allen an dem berühmten Erzberg bei Eisenerz (Produktion 3,7 Mill. metr.
Ztr. Erz).
Die industrielle Thätigkeit
des Landes besteht hauptsächlich in der Verarbeitung des Roheisens. Es bestehen in Ober- und Mittelsteiermark zahlreiche, zum
Teil ausgedehnte Eisenguß- und Raffinierwerke, welche Schienen, Wagenachsen, Ackergerät, Sägen,
[* 29] Bleche, Draht,
[* 30] Guß-
und Zementstahl etc. verfertigen. Sehr bedeutend sind ferner: die Sensenindustrie (jährlich
3,7 Mill. Stück Sensen, Sicheln etc.), die Erzeugung von Schmiedewaren, dann die Maschinenindustrie (zu Graz).
In kirchlicher Beziehung
hat das Land 2 katholische Bistümer (Seckau und Lavant, mit dem Sitz in Graz und Marburg). An der Spitze der Landesverwaltung steht
die Statthalterei zu Graz, der Hauptstadt von S. Andre Behörden für S. sind: das 3. Korpskommando, ein Landwehrkommando,
eine Postdirektion, ein Oberlandesgericht (für S., Kärnten und Krain), eine Finanzlandesdirektion etc.
Der Landtag besteht aus 63 Mitgliedern und zwar den beiden Fürstbischöfen, dem Universitätsrektor, 12 Abgeordneten des
Großgrundbesitzes, 19 Abgeordneten der Städte, Märkte und Industrieorte, 6 Abgeordneten der beiden Handels- und Gewerbekammern
(Graz und Leoben) und 23 Vertretern der Landgemeinden. Außerdem sind in den politischen Bezirken eigne Bezirksvertretungen
thätig. In den Reichsrat entsendet S. 23 Abgeordnete. Das Wappen
[* 32] von S. s. auf Tafel »Österreichisch-Ungarische Länderwappen«.
[* 33] Die politische Einteilung des Landes ist aus folgender Tabelle zu ersehen:
Als ein Teil dieses karentanischen Slawengebiets kam das Murland unter bayrische Botmäßigkeit, dann unter karolingisch-fränkische
Herrschaft. Das Christentum verbreitete sich allmählich in diesen Gegenden von Salzburg aus, das zum Metropolitansitz
erhoben wurde und seinen Sprengel auch über das spätere S. ausdehnte. Unter Karls Nachfolgern hatte es durch feindliche Einfälle,
namentlich der Magyaren, sehr zu leiden. Den beträchtlichsten Teil, gegen Westen und Norden,
[* 39] hatten die Markgrafen von Karentanien
(s. Kärnten), den Landstrich am linken Ennsufer die Herzöge von Bayern
[* 40] inne. Im 11. Jahrh. ward eine besondere Mark »Kärnten«
vom Herzogtum Kärnten abgezweigt und 1056 dem Grafen Ottokar von Steyr im Traungau, einem Verwandten des Lambachschen Geschlechts,
verliehen.
Sein Sohn Ferdinand II., der 1596 die Regierung übernahm, erklärte den Freiheitsbrief seines Vaters Karl
II. für aufgehoben und wies 1598 die protestantischen Lehrer und Prediger aus dem Land. Eine hierauf eingesetzte katholische
Gegenreformationskommission befahl allen protestantischen Bürgern, entweder zur katholischen Religion überzutreten, oder
auszuwandern. Viele Protestanten schwuren damals ihr Bekenntnis ab; eine bedeutende Zahl aber, meist den
reichsten und angesehensten Familien angehörig, verließ die Heimat, und nur in den unzugänglichen Bergen
[* 47] des obern S. erhielt
sich im stillen in einzelnen Bauernfamilien der evangelische Glaube, weshalb sich dort, nachdem Joseph II. 1781 Glaubensfreiheit
proklamiert hatte, einige protestantische Gemeinden konstituierten.
Ferdinand II. erbte 1619 auch die übrigen österreichischen Lande, und S. blieb seitdem ein Teil derselben.
Seit Karl VI. (1728) nahm kein Landesfürst mehr die Huldigung an, und seit 1730 bestätigte keiner die Landhandfeste mehr.
Fortan teilte S. die Schicksale der österreichischen Monarchie und blieb auch während der Napoleonischen Kriege den Habsburgern
erhalten. Seit dem Wiedererwachen politischen Lebens in Österreich 1860 zeigte sich der Landtag von S.
verfassungstreu und freisinnig, erhob 1865 seine Stimme gegen die Sistierung der Verfassung und forderte
die Aufhebung
des Konkordats.
Das agitatorische Auftreten der Slawen in S., das seit 1880 von der Regierung begünstigt wurde, bewirkte nun,
daß das Deutschtum sich um so kräftiger regte und die deutsch-nationale Partei in S. eine Hauptstütze hatte.
[* 2] oder Steyermark, Herzogtum und Kronland der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, zu deren cisleithanischem
Teil gehörig, grenzt im N. an Ober- und Niederösterreich, im O. an Ungarn und Kroatien, im S. an Krain, im W. an Kärnten
und Salzburg und hat einen Flächenraum von 22427,77 qkm, d. i. 7,48 Proz.
der Fläche der österr. Reichshälfte. (S. Karte: Kärnten, Krain u. s. w., Bd.
10, S. 180.)
Oberflächengestaltung. S. gehört zum Bereich der Ostalpen (s. d.), ist
ein ziemlich hohes Gebirgsland und zeichnet sich durch einen großen Reichtum von malerischen Landschaften, Mineralschätzen
und Üppigkeit der Vegetation aus. Geographisch wird das Land in Ober- oder Nord- und Unter- oder Südsteiermark
eingeteilt. Das nördliche S. durchschneidet als Scheidewand zwischen der Mur und Enns die Central- oder Hauptkette der Alpen.
In dieser Niedere Tauern benannten Kette, die mit den Radstädter Tauern aus Salzburg herübertritt und in nordöstl.
Richtung läuft, liegen der Hochgolling (2863 m), die hohe Wildstelle (2746 m) und der Hohenwart
(2361 m). An diese schließen sich östlich die Rottenmanner Tauern mit dem Bösenstein (2449 m)
und die Seckauer Alpen mit dem Zinken (2398 m) an. Durch den tiefen Einschnitt des der Enns zugewendeten Paltenthals und des
zur Mur abfallenden Liesingthals, welche durch den von der Eisenbahnlinie Selzthal-St.
Michael übersetzten Schoberpaß (849 m) verbunden sind, werden die centralen Alpen von den nördl. Kalkalpen getrennt.
Ein zweiter südlicherer Zug der centralen Alpen zieht südlich der Mur und bildet die Grenze gegen Kärnten. Die wichtigsten
Kulminationspunkte derselben sind die Stangalpe mit dem Königsstuhl (2331 m) und dem Eisenhut (2441
m). Hierauf folgt die Kuhalpe, die Judenburger Alpen mit der Wenzelalpe und dem Zirbitzkogel (2397 m), dann die Mur- oder
Brucker Alpen, endlich jenseit der Mur die niedern Steirischen Alpen und zwar die Fischbacher Alpen, und als letztes Glied
[* 49] gegen
die Ebene zu der Wechsel (1738 m). Durch das Obere Ennsthal von den Centralalpen
(auch in S. schlechthin Steirische Alpen genannt) getrennt, ziehen die nördlichen Kalkalpen.
An der Grenze zwischen S., Oberösterreich und Salzburg erhebt sich das großartige begletscherte Massiv des Dachsteins
(2996 m), ferner der so charakteristisch aufgetürmte Grimming (2351 m) und im N. desselben, das sog.
Steirische Salzkammergut
[* 50] einschließend,
das Tote Gebirge (2093 m). Die Fortsetzung bilden die Ennsthaler
Alpen, welche zugleich die Grenze gegen Oberösterreich bilden, und über welche der Paß
[* 51] Pyhrn (945 m) die Verbindung herstellt.
Es folgen die Gruppen des Hohen Pyrgas (2244 m), des Großen Buchstein (2224 m) und südlich der Enns,
die sich hier durch die berühmte Schlucht «Das Gesäuse» ihren Weg gebahnt
hat, das Hochthor (2372 m) und der Lugauer (2205 m). An diesen schließt sich der berühmte Erzberg
(1543 m) an, dessen Eisenlager, obwohl seit einem Jahrtausend ausgebeutet, noch jetzt alljährlich 300000 t Eisen
[* 52] ergiebt.
Über den Prebichelpaß (1253 m) führt eine Bahn und Straße nach Leoben. Die folgenden Glieder
[* 53] der nördl. Kalkalpenkette,
hier Nordsteirische Alpen genannt, sind der Hochschwab (2278 m), die Veitscher Alpe (1982 m), die Schneealpe (1904 m) und die
Raxalpe mit der Heukuppe (2009 m). Zwischen diesem Berge und dem Wechsel liegt
der Semmering (s. d.). Zu den Seitengliedern der Centralkette rechnet man die
Koralpe (2144 m) und den Posruck. Auch die südl. Vorlagen der Alpen reichen noch bis in die S. Im Hauptzug erhebt sich hier
das Bachergebirge mit dem Schwarzkogel (1548 m). Südlich vom Bachergebirge an der Grenze zwischen S. und
Krain erstrecken sich, von den Karawanken ausgehend, die Santhaler oder Steiner Alpen.
An der Grenze zwischen S., Kärnten und Krain erhebt sich in diesen der Grintouz (2559 m), ferner die Oistritza (2350
m). Ein großer Teil des Landes, zumal im SO., wird hügelig und flach,
und insbesondere sind die Windisch-Büheln zwischen Mur und Drau landschaftlich schön und fruchtbar.
Größere Ebenen hat S. nicht; neun Zehntel des Landes sind uneben. Dagegen hat es zahlreiche herrliche Thäler, darunter
das lange und wechselvolle Murthal, das schöne Ennsthal, das Mürzthal, das Salzathal, den Weichselboden, das Raabthal,
das Sannthal u. a.
Bewässerung. S. wird von vier Hauptflüssen bewässert. Die Mur tritt aus Salzburg bei Predlitz
in das Land und geht unterhalb Radkersburg nach Ungarn; sie nimmt die aus dem Mürzthal kommende Mürz auf. Die Drau oder
Drave kommt bei Unterdrauburg aus Kärnten, durchschneidet das Land von Westen nach Osten und bildet bei ihrem Austritt
die Grenze zwischen Ungarn und Kroatien. Die Save oder Sau entspringt in Krain, scheidet dieses Kronland von S., nimmt hier
die Sann und Sotla auf und strömt unterhalb Rann nach Kroatien.
Die Enns im nördl. Teile kommt bei dem Mandlingpaß aus Salzburg und verläßt das Land unterhalb
Altenmarkt, verstärkt durch die Salza. Die Traun entsteht im NW. aus mehrern
Bächen und tritt bald nach Oberösterreich über; die in den Fischbacher Alpen entspringende Raab, mit der Lafnitz und deren
Beiflüssen Safen und Feistritz, verläßt gleichfalls das Land bald und geht nach Ungarn. S. hat viele schöne Alpenseen,
namentlich den Grundlsee, den Töplitz- und Kammersee bei Aussee, den Alt-Ausseer See, den Leopoldsteiner
See bei Eisenerz u. a.
S. zählt über 70 Mineralquellen, die Mehrzahl darunter Sauerbrunnen. Am bekanntesten sind die Säuerlinge in Gleichenberg
und Rohitsch, die Thermen von Neuhaus, Römerbad und Tüffer, das Tobelbad bei Graz u. s. w.
Steiermark
* 54 Seite 65.285.
Das Klima ist nach Höhe und Stellung der Gebirge sehr verschieden, im N. ziemlich rauh, im S. mild. In
Admont beträgt die mittlere
¶
Jahrestemperatur 6,2, in Aussee 5,8, in Graz 9,3, in Cilli 9,9, in Pettau 10,1° C. Der südl. Teil hat bei kalten
Wintern sehr heiße Sommer. Die jährliche Regenmenge beträgt in Graz 582, in Cilli 1059, in Aussee sogar 1460 mm. Die Zahl
der jährlichen Gewitter betrug in Admont 32, Graz 23, Gleichenberg 21, Pettau 14, Alt-Aussee 9.
Bevölkerung. Die Einwohnerzahl betrug 1830: 885948, 1850: 1005944, 1869: 1131099, 1880: 1213597, 1890: 1282708 (635967
männl., 646741 weibl.) E., d. i. seit 1881 eine Zunahme von 69111 Personen
oder 5,7 Proz. Die Bevölkerung vermehrt sich in S., wie in den Alpenländern überhaupt, ziemlich langsam.
Dem Religionsbekenntnis nach waren 1269768 (99 Proz.) Katholiken, 10556 (0,8 Proz.)
Evangelische und 1979 Israeliten; der Nationalität nach 847923 (67,8 Proz.) Deutsche und 400480
(32,2 Proz.) Slowenen; letztere hauptsächlich im südl. Teil des
Landes.
Dem Beruf nach gehörten an: 813525 der Land- und Forstwirtschaft, 252456 der Industrie und dem Bergbau,
[* 55] 72395 dem
Handel und Verkehr und 144332 dem öffentlichen und Militärdienst, den freien Berufen und keinem Berufe. 1893 gab es 1554 Ortsgemeinden, 3868 Ortschaften
mit 195147 Häusern und 257257 Wohnparteien. Von je 1000 über 6 J. alten Personen konnten 181 männliche und 215 weibliche
weder lesen noch schreiben. Die Zahl der Eheschließungen betrug 1895: 9474, der Lebendgeborenen 42366,
der Totgeborenen 1802 (darunter zusammen 10098 Uneheliche), der Sterbefälle 31973.
Land- und Forstwirtschaft. Ungeachtet seiner Gebirgsnatur ist S. eins der bestangebauten Länder der Monarchie. Von der produktiven
Bodenfläche (2088660 ha, d. i. 93,1 Proz. des Gesamtflächenraums)
sind 18,87 Proz. Acker, 11,90 Wiesen, 1,06 Gärten, 1,52 Weingärten, 5,61 Hutweiden, 6,14 Alpen und 47,94
Proz. Waldungen. Es wird viel Mais und Hafer gebaut, dann Roggen, Weizen, Gerste,
[* 56] Kartoffeln und
Heidekorn, von Handelsgewächsen Hanf (besonders bei Radkersburg) und viel Karden. Im Durchschnitt der 10 Jahre 1882–91 wurden
geerntet 856000 hl Weizen, 1047800 Roggen, 249600 Gerste, 1578800 Hafer, 1089000 Mais, 131400 Hülsenfrüchte, 1792000
hl Kartoffeln und 1435600 t Heu.
Eine Haupterwerbsquelle, besonders für Obersteiermark, ist die Hornviehzucht, die mit einer lebhaften Alpenwirtschaft verbunden
wird. Am
wurden gezählt 66871 Pferde, 700012 Rinder,
[* 57] 162416 Schafe, 42238 Ziegen, 637607 Schweine und 100573 Bienenstöcke.
Die Geflügelzucht ist vorzüglich in der untern S. von großer Bedeutung. Die steir. Kapaune sind weit
und breit berühmt. Ein wichtiger Kulturzweig ist der Weinbau, der in der Gegend von Luttenberg, Radkersburg und Pettau die
vorzüglichsten Sorten liefert. 1882–91 wurden durchschnittlich 487700 hl Wein geerntet. Von nicht geringerer Wichtigkeit
ist der Hopfen- und der Obstbau, sowohl was den Handel mit Obst wie die Ciderbereitung betrifft. Kastanien
gewinnt man in Südsteiermark in Menge. Der Waldstand betrug 1892: 1074230 ha, zumeist Nadelwald. Die Jagd auf Rotwild und
Gemsen, die Fischerei
[* 58] auf Forellen und Salmlinge ist sehr ergiebig.
Bergbau. S. ist reich an Mineralien; die wichtigsten Produkte sind Eisen, Kohlen und Salz. Die Güte des
steir. Roheisens war schon im Altertum bekannt. Die reichsten und ältesten Eisensteingänge befinden sich am Erzberge zwischen
Vordernberg und Eisenerz, und
es sollen die seit dem 18. Jahrh. hier betriebenen Ausschlußbauten
Vorräte von mehr als 750 Mill. t Schmelzgut nachweisen. Auch der Kohlenbergbau ist einer der ältesten
im österr. Kaisertum. 1892 wurden gewonnen 214 t Steinkohle, 2171185 Braunkohle, 522315 Eisenerz, 31 silberhaltiges Bleierz, 1065 Zinkerz, 720 Schwefelerz, 139 Manganerz
und 3020 t Graphit im Gesamtwert von 7,97 Mill. Fl. Auch gewinnt man Torf-, Farben- und Walkererde, Marmor-, Mühl-, Bau- und
Schleifsteine. Die Hüttenproduktion betrug 1892: 135266 t Frischroheisen, 2839 t Gußeisen und 1841 t Zink im Gesamtwerte
von 6,22 Mill. Fl. An Salz wurden 259 t Stein-, 17939 t Sud- und 997 t Industrialsalz gewonnen im Wert von 1,73 Mill. Fl.
Industrie, Handel und Verkehrswesen. Die Industrie hat ihren Hauptsitz in Obersteiermark und beschäftigt
sich vorzugsweise mit der Verarbeitung von Eisen, insbesondere in den Gebirgsthälern der obern Mur bis in die Nähe von Graz.
Stabeisen, Schienen, Eisenblech und Eisendraht werden in großer Vollkommenheit erzeugt, und der steir.
Stahl erfreut sich eines großen Rufs. Einen hohen Aufschwung hat ferner die Verfertigung von Eisen- und
Stahlwaren genommen. 1890 wurden von 34 Unternehmungen mit 1423 Arbeitern 163432 t Eisen und Stahl, 19224 t Draht und 6840 t
Drahtstifte und Nieten, 20887 t Blech, 30484 t Schienen, 2553 t Radkränze, 3470600 Stück Sensen und 1200000 Sicheln u. s. w.
erzeugt.
Ferner wurden in 14 Etablissements von 2106 Arbeitern 626 t Kessel und 8138 t Maschinen hergestellt. Ferner
sind hervorzuheben: die Fabrikation von Glas, Cellulose und Holzstoff
[* 59] (19 Fabriken mit 9600 t Produktion) und Papier (29138
t), von Tabak
[* 60] und Cigarren (in Fürstenfeld 2112 Arbeiter, 2001 t Tabakfabrikate, 1892 für 4,59 Mill. Fl.), die Erzeugung
von Schaumwein (in Graz), von Liqueur, Branntwein (1892: 4981 Brennereien mit einer Produktion von 1,27
Mill. Hektolitergrad Alkohol) und Bier (64 Brauereien mit 869250 hl Produktion), die Leinweberei, die aber mehr als Nebenbeschäftigung
bei der Landwirtschaft denn als eigentlicher Gewerbszweig betrieben wird, die Erzeugung von Loden (Schafwollstoff) u. s. w.
Bedeutend ist die Ausfuhr von Obst, Wein, Schnitt- und Bauholz, Hornvieh, Eisen und Stahl und den Waren
aus diesen Stoffen, ferner von Braunkohlen, Papier und andern Erzeugnissen. In S. bestehen 10 Aktiengesellschaften mit 14,05
Mill. Fl. Als Anstalten für Handel und Kreditwesen bestehen eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank in Graz, die
Steiermärkische Escomptebank daselbst, mehrere gewerbliche Aushilfskassenvereine, (1892) 53 Sparkassen
mit 138,6 Mill. Fl. Einlagskapital, von denen die steiermärk. Sparkasse in Graz unter den drei in der Stadt bestehenden Sparkassen
eine Hypothekenbank (Pfandbriefanstalt) besitzt. In S. bestanden 1892: 4786,3 km, darunter 780,5 km vom Staate unterhaltene
Straßen, 170 km schiffbare und 402 km flößbare Wasserstraßen, 1210,4 km Eisenbahnen (s.
Steiermärkische Landesbahnen), 2114,4 km Telegraphenlinien und 7271,5 km Drähte, 378 Postanstalten und 163 Telegraphenbureaus.
Steiermark
* 61 Seite 65.286.
Unterrichtswesen. Die Karl-Franzens-Universität Graz (s. d.), die Technische Hochschule mit (1892) 54 Lehrern
und 189 Hörern, die Akademie für Handel und Industrie und die Zeichenakademie, alle in Graz, 2 theol. Diöcesanlehranstalten,
die Bergakademie
¶
in Leoben, 5 Obergymnasien, 3 Untergymnasien, 2 Ober-, 1 Unterrealschule, 1 städtisches Mädchenlyceum in Graz, 2 Lehrer-
und 2 Lehrerinnen-Bildungsanstalten, 1 Staatsgewerbeschule in Graz, 2 gewerbliche Fachschulen und 16 gewerbliche Fortbildungsschulen, 1 höhere
und 7 niedere Handels- und 1 Bergschule, 4 niedere land- und forstwirtschaftliche Schulen, 22 Gesang- und Musikschulen, 1 Hebammenschule, 8 weibliche
Arbeitsschulen, 17 sonstige besondere Lehr- und Erziehanstalten und (1892) 851 Volks- und 10 Bürgerschulen mit 173992
schulbesuchenden Kindern (93,8 gegen 74,2 Proz. der schulpflichtigen Kinder im J. 1875). Außerdem bestehen: das landschaftliche
Joanneum in Graz mit vortrefflichen Sammlungen, je ein histor., geognostisch-montanistischer, naturwissenschaftlicher und
juridischer Verein, eine Landwirtschaftsgesellschaft, je ein Gartenbau-, Seidenbau-, Forstverein, ein Verein
zur Beförderung der Industrie, sämtlich in Graz, mehrere Musik- und Gesangvereine.
Verfassung und Verwaltung. Die Verfassung beruht auf der Landesordnung und Landtagswahlordnung vom
Der steiermärk.
Landtag, der vom Kaiser jährlich nach Graz berufen wird, ist zusammengesetzt aus den beiden Fürstbischöfen
von Seckau und Lavant, dem Rektor der Universität Graz und aus 60 auf sechs Jahre gewählten Abgeordneten, nämlich 12 vom
großen Grundbesitz, 19 von den Städten und Märkten, 6 von den Handels- und Gewerbekammern zu Graz und Leoben und 23 von
den Landgemeinden. Der Vorsitzende (Landeshauptmann) wird vom Kaiser ernannt. S. sendet nach dem neuen
Wahlgesetz (1896) 27 Abgeordnete in das österr. Abgeordnetenhaus, und zwar 4 Vertreter des Großgrundbesitzes, 8 der Städte
und Märkte, 2 der Handels- und Gewerbekammern in Graz und Leoben, 9 der Landgemeinden, 4 der Allgemeinen Wählerklasse (gewählt
durch allgemeines Stimmrecht).
An der Spitze der Verwaltung steht der Statthalter, zugleich Vorsitzender des Landesschulrates in Graz.
Ihm unterstehen 4 Städte mit eigenem Statut und 20 Bezirkshauptmannschaften (1890):
Städte mit eigenem Statut und Bezirkshauptmannschaften
Die
Finanzverwaltung besorgt die Finanz-Landesdirektion in Graz, unter ihr drei Finanz-Bezirksdirektionen
für den indirekten und die Steueradministration in Graz sowie 6 Haupt- und 57 Steuerämter für den direkten Steuerdienst.
Die Salinenverwaltung in Aussee untersteht direkt dem Finanzministerium in Wien. Für die Rechtspflege bestehen das Oberlandesgericht
in Graz (zugleich für Kärnten und Krain) als zweite Instanz, ein Landesgericht in Graz und zwei Kreisgerichte
in Cilli und Leoben sowie 72 Bezirksgerichte als erste Instanz.
Dritte Instanz ist der Oberste Gerichts- und Kassationshof in Wien. Militärisch gehört S. zu dem Gebiet des Korpskommandos
in Graz, welches außer S. auch Kärnten, Krain und das Küstenland umfaßt. Das Landeswappen zeigt einen
Feuer speienden aufrechten, rotgehörnten, silbernen Panther mit vierfachem Schwanze in Grün. Auf dem Schilde ein Fürstenhut.
[* 62] (S. Tafel: Wappen der Österreichisch-Ungarischen Kronländer,
[* 61]
Fig. 4, Bd.
12, S. 726.) Die Landesfarben sind Grün-Weiß.
Geschichte. Unter röm. Herrschaft gehörte der östl. Teil von S.
zu Pannonien, der westliche zu Noricum. Schon damals war das von den kelt.
Tauriskern bewohnte Land seines Eisens und Stahls wegen berühmt und auch seiner Viehzucht halber bekannt. Nach den Stürmen
der Völkerwanderung, während deren es von den verschiedensten Stämmen durchzogen wurde, ließen sich in der zweiten Hälfte
des 6. Jahrh. auch hier Winden oder Slowenen nieder, und das Land bildete
einen Teil Karantaniens (s. Kärnten), mit dem es in Abhängigkeit vom Herzog von Bayern und dann unter die Herrschaft Karls
d. Gr. und seiner Nachfolger kam.
Als Otto I. nach dem Siege auf dem Lechfelde (955) die Verteidigung der Ostgrenze Deutschlands
[* 63] gegen die Ungarn
organisierte, errichtete er auch eine «Kärntner Mark», die das Gebiet an der mittlern Mur und obern Raab umfaßte und vom
Röthelstein südlich von Bruck bis Radkersburg reichte. Der erste Markgraf, der 970 erwähnt wird, ist Markward, der Stammvater
der Eppensteiner, dessen Sohn Adalbero auch als Graf in den nordwestlich anstoßenden Grafschaften erscheint. 1035 erhielt
die Mark Arnold von Lambach, dessen Sohn Gottfried den Ungarn Pütten jenseit des Semmering entriß.
Arnolds Verwandter Ottokar, Graf im Traungau, von bayr. Geschlecht, der 1056 vom Kaiser mit der Kärntner Mark belehnt wurde,
nannte sich wie seine Nachfolger nach seiner Burg Steier «Markgraf von Steier», bis dieser Name endlich
auch auf das Land übertragen wurde. Ottokars I. Nachkommen erwarben, meist durch Erbschaft, ausgedehnte Gebiete, so daß
die S. bis nach der Mitte des 12. Jahrh. fast überall die heutigen Grenzen
[* 64] erhielt. Ottokar
IV. wurde 1180 zum Herzog erhoben, vermachte aber, da er kinderlos war, 1186 seine Besitzungen seinem
Verwandten Leopold V. von Österreich, der 1192 auch vom Kaiser mit S. belehnt wurde.
Nach dem Tode des letzten Babenbergers (1246) brachen um den Besitz der S. Streitigkeiten aus, bis sich 1259 die Bewohner
gegen die Ungarn, die sie vorübergehend an sich gebracht hatten, erhoben und Ottokar II. von Böhmen
als Herrn anerkannten. Dieser mußte S. 1276 an Rudolf von Habsburg abtreten, der 1282 seine Söhne damit belehnte. Bei der 1379 zwischen
Albrecht III. und Leopold III. vorgenommenen Länderteilung wurden die Gebiete von Steier, Hallstadt und Ischl
[* 65] zu Österreich
geschlagen, und
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