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| Kupfervitriol | (schwefelsaures Kupferoxyd, Kupfersulfat, Kuprisulfat, blauer, cyprischer Vitriol, blauer Galitzenst / 616 |
| Kupfervitriol _2 | (Blauer Vitriol, blauer Galitzenstein, Cyprischer Vitriol, schwefelsaures Kupferoxyd, Kupfersulfat, / 607 |
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 10
Kupfervitriol
(schwefelsaures Kupferoxyd, Kupfersulfat, Kuprisulfat, blauer, cyprischer Vitriol, blauer Galitzenstein) CuSO4 findet sich in der Natur (Chalkanthit) als Zersetzungsprodukt von Kupfererzen, meist in stalaktitischen oder nierenförmigen Aggregaten, als Überzug und Beschlag, auch gelöst in Grubenwassern (Zementwassern) und wird erhalten, indem man Kupferoxyd (Kupferhammerschlag) in verdünnter Schwefelsäure [* 2] oder metallisches Kupfer [* 3] in heißer konzentrierter Schwefelsäure löst (bei der letzten Operation entweicht schweflige Säure, und etwas Schwefelkupfer scheidet sich ab).
Man erhält auch Kupfervitriol
, wenn man das
Kupfer mit verdünnter
Schwefelsäure bei Luftzutritt oder mit verdünnter salpetersäurehaltiger
Schwefelsäure behandelt. Zur
Darstellung im großen verdampft man Zementwasser zur
Kristallisation, oder
man erhitzt
Kupfer im Flammofen mit
Schwefel, röstet das gebildete
Schwefelkupfer und laugt das
Produkt mit
Wasser und
Schwefelsäure
aus, um das neben Kupfervitriol
gebildete
Kupferoxyd ebenfalls zu lösen. Man röstet auch Konzentrationsstein
(Spurstein), der aus
Schwefelkupfer
und
Schwefeleisen besteht, laugt mit
Wasser aus und bringt die
Lauge zur
Kristallisation.
* 4 Eisen.
Aus der
Mutterlauge, welche reich an
Eisenvitriol ist, fällt man das
Kupfer durch
Eisen.
[* 4] Man löst ferner geröstetes
Schwarzkupfer,
Kupferhammerschlag,
Malachit (kohlensaures
Kupferoxyd) in
Schwefelsäure und läßt über Kupfergranalien, Kupferabfälle etc.
wiederholt warme verdünnte
Schwefelsäure fließen, oder man röstet kupferhaltige
Eisenkiese, laugt mit
Wasser aus, fällt mit
Schwefelwasserstoff
Schwefelkupfer und röstet dies.
Beim Affinieren, bei der Silbergewinnung
[* 5] nach Ziervogel
und bei der Verarbeitung von
Kupferjodür auf
Jod entsteht Kupfervitriol
als Nebenprodukt.
Zur
Reinigung von rohem Kupfervitriol
kristallisiert man ihn um, oxydiert aber vorher darin enthaltenen
Eisenvitriol durch Erhitzen im
Flammofen, wobei unlösliches
Eisenoxyd entsteht, oder fällt das
Eisen durch kohlensaures
Kupferoxyd. Über
den eisenhaltigen Kupfervitriol
des
Handels s.
Eisenvitriol.
Schwefelsaures
Kupferoxyd bildet lasurblaue
Kristalle
[* 6] mit 5
Molekülen
Kristallwasser,
vom spez. Gew. 2,28, besteht in 100 Teilen aus 31,85
Kupferoxyd, 32,07
Schwefelsäure und 36,08
Wasser, schmeckt herb, widrig metallisch, reagiert sauer, und 100 Teile
Wasser
lösen bei 10°: 36,9, bei 20°: 42,3, bei 40°: 56,9,
bei 80°: 118, bei 100°: 203,3 Teile Kupfervitriol.
Den
Gehalt der
Lösungen von verschiedenen spezifischen
Gewichten (15°) an kristallisiertem
Kupfervitriol
zeigt folgende
Tabelle:
In
Alkohol ist Kupfervitriol
unlöslich. Er verwittert in trockner
Luft oberflächlich, wird bei 200° wasserfrei
und weiß und zerfällt erst in starker Glühhitze in
¶
Kupferoxyd, Sauerstoff und schweflige Säure. Das wasserfreie Salz
[* 8] ist sehr hygroskopisch und dient zum Entwässern des Alkohols.
Man benutzt Kupfervitriol
in der Färberei und Zeugdruckerei, zur Darstellung von Kupferfarben, in der Galvanoplastik,
[* 9] zum Konservieren des
Holzes und der Tierbälge, zum Brünieren des Eisens, zum Färben des Goldes, zum Präparieren der Thonmasse
im Draconschen Chlorbereitungsprozeß, zum Beizen des Saatgetreides, zum Ausbringen des Silbers aus seinen Erzen, als Brechmittel
bei narkotischen Vergiftungen, Krupp, Diphtheritis, bei Phosphorvergiftung, Diabetes, auch äußerlich als Ätzmittel etc. Bei
Einwirkung von Kupferoxyd, kohlensaurem Kupferoxyd, ätzenden oder kohlensauren Alkalien auf Kupfervitriol entstehen basische Salze, welche
sich zum Teil in der Natur in mehreren Mineralien
[* 10] finden, auch in der Farbentechnik benutzt werden.
Mit überschüssigem Ammoniak gibt Kupfervitriol eine tief lasurblaue Lösung, aus welcher nach vorsichtigem Übergießen mit Alkohol schwefelsaures Kupferoxydammoniak (Kupfersalmiak) CuSO4 + 4NH3 + H2O kristallisiert. Diese großen, tief dunkelblauen Kristalle riechen schwach ammoniakalisch, schmecken ekelhaft metallisch-ammoniakalisch, verlieren an der Luft Wasser und Ammoniak und lösen sich in 1,5 Teilen Wasser. Man benutzt das Salz in der Feuerwerkerei und als Arzneimittel. Kupfervitriol war schon den Alchimisten bekannt, welche oft von eisenhaltigem Kupfervitriol (Verbindung von Venus und Mars) [* 11] ausgingen, um den Stein der Weisen zu finden. Van Helmont erhielt 1644 Kupfervitriol durch Erhitzen von Kupfer mit Schwefel an der Luft und Glauber 1648 aus Kupfer und Schwefelsäure.
Ende Kupfervitriol (1)
→Seite 10.334: Kupferwasser =s. Eisenvitriol.
(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
(Blauer Vitriol, blauer Galitzenstein, Cyprischer Vitriol, schwefelsaures Kupferoxyd, Kupfersulfat, lat. Cuprum sulfuricum, frz. sulfate de cuivre, engl. blue vitriol);
das wichtigste Kupfersalz wird in großen Mengen erzeugt und verbraucht;
bildet das bekannte schön blaue, großkristallinische Salz, aus 31,80 Kupferoxyd, 32,14 Schwefelsäure und 36,06 Kristallwasser bestehend. In trockner Luft wittert letzteres allmählich aus, das Salz überrindet sich weiß und verwandelt sich endlich ganz in ein weißes Pulver;
beim Erhitzen auf 200° C. findet diese Entwässerung sogleich statt und man hat nun den gebrannten K. Das Salz löst sich in 4 Teilen kaltem, in 1 Teil heißem Wasser auf, schmeckt ekelhaft metallisch und wirkt giftig, brechenerregend.
Der Entstehung und Darstellung desselben sind wir zum Teil schon bei dem Ausbringen des Kupfers begegnet. Fertig gebildet findet es sich in Grubenwässern der Kupferbergwerke aufgelöst, auch mitunter, in trockenen Ländern, als Anflug oder Überzug auf Gestein, oder in derben nierenförmigen Massen. Die Grubenwässer, als sehr verdünnte Vitriollösungen können durch bloßes Eindampfen zugute gemacht werden, doch nur da, wo die Feuerung sehr wohlfeil zu haben ist.
Durch direktes Auflösen von zerkleinertem metallischen Kupfer in Schwefelsäure wird das Salz nur da hergestellt, wo man die dabei entstehende schweflige Säure wieder verwerten kann, also in einigen Schwefelsäurefabriken. Die Säure muß dabei heiß und konzentriert sein; unter diesen Umständen entreißt das Metall einem Teile der Säure Sauerstoff um sich erst zu oxydieren; der beraubte Anteil ist dadurch zu schwefliger Säure geworden, welche gasförmig entweicht.
Kupferhammerschlag, also bereits oxydiertes Kupfer löst sich leicht in schwächerer Säure und wird unter passenden Umständen gern zu Vitriol verarbeitet. Kupferhütten gewinnen das Salz durch Auslaugen der sog. Kupfersteine und gerösteten Schwefelerze und besonders wenn ein Silber- oder Goldgehalt der Erze auf nassem Wege abgeschieden wird. Enthalten die Kupfererze zugleich Schwefeleisen, so enthält das Röstgut auch Eisenvitriol, der mit in Lösung geht und entweder durch Kristallisationsarbeiten abgetrennt wird oder auch mit in die Kristallisation eingeht.
Dies gibt dann einen unreinen, grünlich blauen Vitriol, der für manche Zwecke der Färberei gerade so gebraucht wird (Adlervitriol, s. d.). Übrigens ist selten ein käuflicher Vitriol ganz eisenfrei. Das reinste Salz kommt, und zwar in großer Menge, von den Affinier- oder Scheideanstalten, deren es sowohl in Münzateliers als auch selbständig in mehrern Städten gibt. Die hier nur kurz zu berührende Operation derselben besteht im Auflösen alter Gold- und Silbermünzen in heißer konzentrierter Schwefelsäure. Da alle Münzen Kupfer und die silbernen meistens auch eine Wenigkeit Gold enthalten, so hat man es in der Regel mit allen drei Metallen zu thun.
Das Gold als unlöslich bleibt in Pulverform zurück, während Kupfer und Silber sich lösen. In diese Lauge werden Kupferplatten gelegt, bis alles Silber als Schlamm herausgefallen ist. Die Flüssigkeit enthält nun lauter K., teils den schon darin gewesenen, teils neu gebildeten, indem die das Silber verlassende Schwefelsäure immer gleich ebenso viel Kupfer aufgelöst hat. Das Salz wird sonach bei verschiednen Gelegenheiten und an mancherlei Örtlichkeiten gewonnen, unter andern auch in sehr guter Qualität auf den Kupferhütten des sächsischen Erzgebirges. Zu dem deutschen Erzeugnis kommt auch noch mehr oder weniger englische Ware, je nachdem die Preiskonjunkturen die Einfuhr begünstigen. – Unter den Verwendungen des blauen Vitriols ist wohl die so viel geübte Galvanoplastik in erster Stelle zu nennen; hier spielt das Salz die Rolle eines Erzes, aus welchen die elektrische Kraft das gediegene Metall ausbringt.
Auch für andre Kupferpräparate bildet das schwefelsaure Salz den gewöhnlichen Ausgangspunkt. Häufig wird dasselbe gebraucht in der Färberei und im Kattundruck;
zur Darstellung verschiedner grüner Farben;
ferner zur Konservierung von Eisenbahnschwellen, zum Beizen von Saatgetreide etc. Medizinisch wird das gereinigte Salz nebst andern Kupferverbindungen in sehr kleinen Gaben innerlich verwendet, in größern als rasch wirkendes Brechmittel;
äußerlich zum Ätzen, als Augenmittel. – Zollfrei.
Ende Kupfervitriol (2)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 10. Band: Königshofen - Luzon, Seite 333; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/kupfervitriol
x.
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