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| Gallen | # Ausdehnungen und Verdickungen der Gelenkkapseln oder Sehnenscheiden oder Schleimbeutel an / 230 |
| Gallen _2 | # (Cecidien), pathologische, an Pflanzen durch Schmarotzer hervorgerufene lokale Gewebeneubildungen, / 725 |
| Gallen _3 | # Priester der Kybele, s. Galli. / 6 |
Gallen,
Ausdehnungen und Verdickungen der Gelenkkapseln oder
Sehnenscheiden oder
Schleimbeutel an den
Gliedmaßen der
Tiere, namentlich der
Pferde,
[* 2] infolge
übermäßiger
Absonderung und Ansammlung von
Gelenk-, resp. Sehnenscheidenflüssigkeit.
Die Gallen
bilden mehr oder minder große, rundliche oder länglich-runde
Geschwülste, die an den
Gelenken (Gelenkgallen
)
oder an
den
Sehnen
(Sehnen- oder
Flußgallen) sitzen, gewöhnlich weich, elastisch und unschmerzhaft sind und den
Gebrauch der
Tiere nicht stören, in manchen
Fällen aber mehr oder minder
hart und warm sich anfühlen, auf
Druck schmerzhaft
sind und zum Lahmgehen Veranlassung geben.
Oft können die Gallen
durch
Druck verkleinert werden, indem die
Flüssigkeit nach der Gelenkhöhle etc. ausweicht, und wenn die
Gallen
beiderseits am
Gelenk
oder an der
Sehne hervorgetreten sind (durchgehende Gallen
), so wölbt sich beim
Drücken
gegen die eine Seite die Geschwulst an der andern Seite stärker hervor. Am häufigsten sind die Gallen
bei
Pferden an den Sprunggelenken
und an den
Sehnen über und hinter den Fesselgelenken. Eine besondere
Anlage zu Gallen
haben junge
Pferde von
schlaffer
Konstitution; die veranlassende
Ursache ist meistens starke Anstrengung.
Bei längerer
Ruhe findet gewöhnlich eine Verkleinerung, bei neuer Anstrengung wieder eine Vergrößerung statt; in seltenen
Fällen tritt
Naturheilung ein, die durch festes Bandagieren nach der
Arbeit befördert werden kann. Veraltete Gallen
können nur
durch
Operation (Abzapfen der
Flüssigkeit und
Injektion
[* 3] von verdünnter
Jodtinktur) geheilt werden. Sonst
gewähren die
Einreibungen scharfer
Medikamente und die
Applikation des Glüheisens die meisten Vorteile.
* 4 Gewebe.
(Cecidien), pathologische, an Pflanzen durch Schmarotzer hervorgerufene lokale Gewebeneubildungen, welche den in ihnen sich aufhaltenden Parasiten Nahrung gewähren. Durch die dauernde oder zeitweilige Anwesenheit von letztern unterscheiden sie sich von ähnlichen, durch Verwundung oder andre Ursachen an Pflanzen hervorgebrachten krankhaften Bildungsabweichungen. Durch einen von dem tierischen oder pflanzlichen Schmarotzer ausgehenden Reiz wird das Gewebe [* 4] an der infizierten Stelle zu abnormer Zellteilung angeregt, welche schließlich zu einer mehr oder weniger scharf begrenzten Umgestaltung des betreffenden Pflanzenteils führt. Gallen können sich demnach nur an jugendlichen, noch in Entwickelung begriffenen Pflanzenteilen, wie in zarten Knospen, [* 5] an jugendlichen Wurzeln, Stengeln und Blättern, nicht an völlig ausgewachsenen, teilungsunfähigen Organen bilden.
Von Pflanzen rufen einige Schmarotzerpilze, z. B. die Synchitrien, mannigfache Gallenbildungen (Mykocecidien) hervor. Unter den gallenbildenden Tieren liefern die Insekten [* 6] das größte Kontingent und zwar vor allen die Gallwespen (Cynipiden), manche Blattwespen, von Dipteren besonders die Gallmücken (Cecidomyiden) und einige andre, von Halbflüglern die Blattläuse (Aphiden) und Springläuse (Psylloden) ferner einige Rüsselkäfer [* 7] und Schmetterlingslarven.
Von Arachniden sind sämtliche Gallmilben (Phytoptus) Gallenbildner, endlich kennt man auch einige Fadenwürmer (Nematoden), Milben und ein Rädertier als Erzeuger von Cecidien. Nach ihren Erzeugern pflegt man die letztern als Akarocecidien, Dipterocecidien, Nematocecidien, Phytoptocecidien etc. zu bezeichnen. Nach ihrem Auftreten an verschiedenen Pflanzenteilen unterscheidet man Wurzel-, Stengel-, Blatt-, Knospen-, Fruchtgallen etc. oder besser nach dem morphologischen Ort ihrer Entstehung gipfelständige und seitenständige Gallen (Akro- und Pleurocecidien).
* 8 Wurzel.
Der äußere Habitus der Gallen ist ein sehr wechselnder. Bald treten sie nur als unbestimmt begrenzte Deformationen eines Pflanzenteils auf, bald stellen sie eine rings geschlossene, im innern Pflanzengewebe entstehende Neubildung dar, wie bei den Galläpfeln. Von der Deformation kann entweder nur ein einzelnes Organ: die Wurzel, [* 8] der Stengel, [* 9] das Blatt, [* 10] der Fruchtknoten etc., oder ein zusammengesetztes Organ, wie eine Knospe, eine Triebspitze, ein Blütenstand, [* 11] eine Blüte [* 12] etc., betroffen werden.
Die Deformationen einfacher Organe bestehen z. B. in Haarfilzwucherungen (bei den sogen. Erineum-Bildungen), in Anschwellungen der jungen Wurzelspitze bei den durch die Reblaus [* 13] (s. d.) erzeugten Gallen, in knollenförmigen Stengelanschwellungen, in Verkrümmungen und Gestaltveränderung der Blattfläche, in spiralig gedrehten Verdickungen oder beutelförmigen Aussackungen der Blattfläche, in Formveränderung des Fruchtknotens, wie bei den als Gicht- oder Radenkörnern bekannten schwarzbraunen Gallen der zu den Fadenwürmern gehörigen Anguillula tritici Roffr. Die Verunstaltungen zusammengesetzter Organe zeigen sich z. B. in Knospenanschwellungen, die durch Vermehrung und Vergrößerung der Knospenschuppen oder durch hochgradige Verzweigung der verkürzt bleibenden Knospenachse zu stande kommen, oder es deformiert sich ein ganzer auswachsender Sproß. Von Triebspitzendeformationen sind unter andern die ¶
sogen. Kickbeeren am Wacholder und die durch Gallmücken (Cecidomyia rosaria) veranlaßten Weidenrosen allgemein bekannt. Die rings geschlossenen Gallen zerfallen in Minengallen und eigentliche Galläpfel, welche einkammerig, wie bei kugeligen, der Blattunterseite von Eichenblättern aufsitzenden, durch Dryophanta scutellaris Ol. verursachten Eichengallen, oder mehrkammerig vorkommen, wie bei den bekannten moosartig behaarten Rosenschlafäpfeln oder Bedeguaren.
Letztere bestehen aus den zusammengedrängten Anschwellungen mehrerer Stengelglieder und enthalten zahlreiche von Rhodites Rosae L. bewohnte Larvenkammern. Am meisten sind die Eichenarten der Gallenerzeugung von Cynipiden (Gallwespen) ausgesetzt, da von ihnen über 200 verschiedene Formen, darunter auch die in den Handel gebrachten Levante-Galläpfel (von Cynips gallae tinctoria L.), bekannt sind. Von besonderer Bedeutung für die Unterscheidung der Gallen ist das Verhalten ihrer Bewohner. In vielen Fällen bleiben dieselben zeitlebens an der Außenseite der gallentragenden Pflanzenteile und dringen niemals in das innere Gewebe derselben ein, wie die meisten Gallmilben und Halbflügler.
* 15 Epidermis.
Andernfalls dringt das gallerzeugende Insekt entweder als Larve durch die Epidermis [* 15] in das innere Pflanzengewebe, wie bei vielen Gallmücken, Fliegen [* 16] und Käfern, oder es gelangt durch besondere Bohrvorrichtungen der Imagoform schon im Eizustand in das Pflanzeninnere, wie bei den Blatt- und Gallwespen. Hieraus ergibt sich die Unterscheidung von äußern und innern Gallen sowie von Larven- und Imagogallen, letztere beiden Formen werden auch als Scoläo- und Oocecidien bezeichnet.
Endlich kommt in Betracht, ob die Bewohner einer Galle sich in derselben fortpflanzen und also ungleiche Generationen nebeneinander vorhanden sind, oder ob die Bewohner nur einer und derselben Generation angehören, welche außerhalb der Galle zur Fortpflanzung schreitet; ersteres geschieht in vielen Gallen von Halbflüglern, Milben und Würmern, letzteres ist bei den Cecidien der Dipteren, Käfer, [* 17] Schmetterlinge [* 18] und Hautflügler [* 19] der gewöhnliche Fall.
Vgl. Malpighi, De gallis (in den »Opera«, Bd. 1, Lond. 1687);
Réaumur, Mémoire pour servir à l'histoire des insectes, Bd. 3; Mayr, Mitteleuropäische Eichengallen (Wien [* 20] 1871);
Thomas, Über Phytoptocecidien etc. (»Zeitschrift für die gesamten Naturwissenschaften« 1869 ff.);
Cornu, Études sur le Phylloxera vastatrix (Par. 1879);
Bergestamm und F. Löw, Synopsis cecidomyidarum (Wien 1876) u. a.
Priester der Kybele, [* 21] s. Galli. ^[= # (lat.), die verschnittenen Priester der ursprünglich in Kleinasien verehrten Mutter der Götter ...]
Ende Gallen
→Seite 6.855: Gallen, St =s. Sankt Gallen.
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 6. Band: Faidit - Gehilfe, Seite 854; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/gallen?q=Galläpfel
x.
6.849 Gall6.852 Galle6.853 Galle_26.855 Gallen6.855 Gallen, St6.855 Gallenblase6.855 Gallenfett6.855 Gallenfieber6.855 Gallenga6.856 Gallengang6.856 Gallenläuse6.856 Gallenmilben6.856 Gallenrisse6.856 Gallensäuren6.856 Gallenseife6.856 Gallensteine42.232 GALL42.232 GALLENKIRCH42.232 GALLENWERCH57.487 Galle57.488 Galle_257.491 Gallengries57.491 Gallenkapillaren57.491 Gallenkolik57.491 Gallenreaktion57.491 Gallensäuren57.491 Gallenseife57.491 Gallensteine57.492 Gallensteinkolik57.492 Gallenstoffe57.492 GallensuchtSie sind hier: eLexikon > Meyers > Band 6 > Seite 6.854 > Gallen