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Galläpfel
2 Seiten, 1'409 Wörter, 10'330 Zeichen
Technologie, Gewerbe und Industrie — Waarenkunde — Droguen vegetabilischen Ursprungs
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 6
Galläpfel,
die von der
Gallwespe
(Cynips gallae tinctoriae
Ol.) auf
Quercus infectoria
Oliv. in
Vorderasien, in Mitteleuropa
auch auf Q. pubescens
Willd. und Q. sessiliflora
Sm. erzeugten
Gallen (s. d.). Die kleinasiatischen Galläpfel
(Aleppogallen) sind
kugelig, von 1,5–2,5
cm
Durchmesser, kurzgestielt, auf der obern Hälfte höckerig und faltig, blaßgelb, bräunlich bis schwärzlichgrün,
mit etwa 3
mm weitem Flugloch, innen heller, mit 5–7
mm weiter Höhlung. Sie sind spröde, auf dem
Bruch
wachsartig glänzend, locker-körnig oder wie strahlig-kristallinisch, auch ganz zerklüftet, die dunklern sind schwerer,
die hellern leichter als
Wasser.
Sie sind geruchlos und schmecken intensiv zusammenziehend. Der Gerbsäuregehalt steigt (besonders bei dunkeln, nicht durchbohrten,
d. h. vor dem Ausschlüpfen des Insekts gesammelten,
Sorten) bis auf 70 Proz.; außerdem enthalten sie
Gallussäure,
Zucker,
[* 2] einen pektinartigen
Körper, Ellagsäure, einen
Farbstoff,
Gummi, ätherisches
Öl,
Harz,
Eiweißkörper,
Cellulose
und unter den Aschenbestandteilen besonders Kalkverbindungen. Im
Handel erscheinen meist die großen, bestäubt aussehenden
mosulschen (welche häufig über
Bombay
[* 3] kommen) und die
Aleppo-Galläpfel (Yerli). Die ausgelesenen kleinsten Galläpfel
¶
kommen als Soriangalläpfel
von Triest
[* 5] aus auf den Markt. Die deutschen, französischen und kleinen ungarischen Galläpfel
werden von
Cynips Kollari Hart. auf Quercus sessiliflora Sm., Q. pubescens Willd., auch auf Q. infectoria Oliv. erzeugt; sie sind ziemlich
genau kugelig, außen meist glatt, hellbraun, innen heller, von 1–2,5 cm Durchmesser und schwammigem Gefüge
und enthalten 25–30 Proz. Gerbsäure. Die größten mitteleuropäischen Galläpfel
(bis 3,5 cm Durchmesser) sind die großen ungarischen,
welche Cynips hungarica Hart. auf Quercus pedunculata Ehrh. erzeugt; sie sind kugelig, auf der kahlen, grauen bis braunen Oberfläche
mit zahlreichen stumpfen bis spitzen und kantigen Erhabenheiten versehen, besitzen kleine Fluglöcher
und schwammiges, tiefbraunes Gewebe.
[* 6]
Durch den Stich von Cynips calicis Burgsd.
in die junge Frucht von Quercus pedunculata Ehrh., seltener Q. sessiliflora Sm. entstehen die Knoppern (s. d.). Kleinasiatische
und griechische Galläpfel
wurden schon zur Zeit des Hippokrates und Theophrast technisch und medizinisch verwendet. Mit Galläpfeln
getränktes Papier benutzte man nach Plinius zur Prüfung des Kupfervitriols auf Eisenvitriol. Auch später
blieben Galläpfel
in medizinischem Gebrauch, und nach den Kreuzzügen bildeten kleinasiatische Galläpfel einen regelmäßigen Ausfuhrartikel
jener Länder.
Die chinesischen Galläpfel werden durch den Stich einer Blattlaus, Aphis chinensis Bell., an Blättern und Blattstielen wahrscheinlich von Rhus semialata Murray erzeugt und gleichen meist in die Länge gezogenen, zugespitzten, höckerigen, häufig verschieden gekrümmten und eingedrückten, 10 cm langen und 4 cm breiten Blasen. Die Wand derselben ist hornartig, brüchig, etwa 2 mm dick, die Oberfläche grau, fein samtartig behaart, innen braun, schellackartig. Im Wasser erweichen sie zu einer weißlichen, dicken, biegsamen und leicht schneidbaren Masse.
* 7 London.
Sie enthalten 65–75 Proz. Gerbsäure, 8 Proz. Stärkemehl und fast 1 Proz. Fett. Man benutzt die Galläpfel zum Schwarz-, Braun-, Graufärben von Wolle, Leder etc., zur Bereitung von Tinte, Tannin, Gallussäure und Pyrogallussäure. Japanische Galläpfel sind den chinesischen durchaus ähnlich, meist aber etwas kleiner und nach dem Aufweichen in kaltem Wasser heller. Chinesische Galläpfel wurden früh von Reisenden erwähnt und gelangten 1816 nach London, [* 7] wurden aber erst seit Mitte der 40er Jahre, die japanischen etwa seit 1860 regelmäßig in Europa [* 8] eingeführt. Galläpfeltinktur, ein mit schwachem Spiritus [* 9] bereiteter Auszug von Galläpfeln, dient als Reagens.
Ende Galläpfel (1)
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(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
(Gallen, lat. Gallae, frz. galles, engl. Gall-nuts). Ein technisch wichtiger Artikel, dessen Anfuhr und Konsum schon bedeutende Ausdehnung hat. Die Gallen sind bekanntlich Auswüchse, welche von gewissen Insekten, den Gallwespen, besonders an Eichen veranlaßt werden, indem das weibliche Insekt mit seinem Legestachel die jungen Blattknospen, Zweige, Blätter oder Früchte anbohrt und seine Eier einschiebt. Durch die Verwundung und später das Nagen der auskommenden Brut entsteht ein krankhafter Säftezufluß und dadurch eine Anschwellung, welche fortwächst und im Innern saftig bleibt, so lange tierisches Leben in ihm wohnt. Schließlich frißt sich das Tier als vollkommenes Insekt oder als Made heraus, um sich außerhalb weiter zu verwandeln. Die Gallen sind aber ¶
möglichst vor dem Zeitpunkte des Auskriechens zu sammeln; sie sind dann schwer, grün oder schwarzblau und am reichsten an Gerbsäure. Die vom Tiere verlassenen, die also angelöchert sind, sind daran ärmer, heller von Farbe, schwammig und leicht. Die Gerbsäure oder der Gerbstoff, der zwar in allen Teilen der Eiche anzutreffen, aber nirgends so angehäuft ist wie in diesen krankhaften Gebilden, ist aber eben dasjenige, was den Wert der Gallen ausmacht, der sich also ganz nach dessen Prozentgehalte richtet.
Die großen Unterschiede, welche dabei vorkommen, können vom Klima, von der betreffenden Eichenart und von der Tierart abhängen, denn es konkurrieren dabei verschiedne Eichen und von Gallwespen sind gegen 30 Arten bekannt. Die besten orientalischen Gallen können 60–65 Proz. Gerbsäure enthalten, und darum war Europa mit diesem Artikel früher immer an den Orient – Kleinasien, Syrien – gewiesen. Was das südliche Europa hervorbringt, hat weniger Gehalt und Bedeutung und die Länder der gemäßigteren Klimate kommen gar nicht für den Handel in Betracht, obschon die Eichen Galläpfel genug tragen, die auch hier und da lokal benutzt werden mögen. In neurer Zeit haben sich die Handelsverhältnisse in Gallen zum Vorteil der Konsumenten wesentlich geändert und zwar durch Einführung wohlfeilerer chinesischer und japanischer Ware, welche, obschon ihre Natur und ihrem Ursprünge nach von der allbekannten Ware verschieden, doch ganz geeignet ist, diese zu verdrängen, oder doch wenigstens, wie bereits geschehen, deren Preise herabzudrücken. Es gibt also von Gallen drei natürliche Gruppen: levantische (türkische, orientalische), europäische und chinesisch-japanische.
Die erstern, welche wieder mehre Sorten bilden, sind meistens das Produkt von Quercus infectoria, der stets strauchförmig bleibenden, speziell sog. Galleiche. Kleinasien, Syrien, Mesopotamien sind die Sammelländer, Smyrna und Konstantinopel die Hauptversandtplätze. Alle levantiner Ware unterscheidet sich leicht von der übrigen durch die höckerige stachelige Beschaffenheit der Oberfläche, welche bei jener glatt oder höchstens runzlig erscheint. Die immer rundlichen levantinischen Gallen variieren von der Größe einer Erbse bis zu 2½ cm Durchmesser.
Bei allen Sorten unterscheidet man dunkel- und hellfarbige; sie sind entweder noch in Mischung, wie sie die Natur gibt (in sortis), oder durch Auslesen gesondert (elegiert). Gesammelt werden die Gallen zweimal, und die der ersten Ernte bilden die bessere Sorte, dort Jerli genannt und auch in Preiskuranten so bezeichnet. Die gangbarste Sorte sind die Gallen von Aleppo (gallae aleppenses), mittelgroß, sehr höckerig; noch größer und durch eine feine Bestäubung kenntlich sind die G. von Mossul am Tigris, in Mesopotamien gesammelt und gewöhnlich über Bombay nach London gebracht, woher es kommt, daß auch ostindische Gallen als eine vorzügliche Sorte erwähnt werden.
Neuerdings findet diese Ware auch einen direktem Handelsweg vom persischen Meerbusen über Bassora. Geringere levantinische Sorten von schwammiger Beschaffenheit sind die Tripolitaner und die Syrischen oder Smyrnaer, aus Natolien kommend. Europäische Gallen sind wie gesagt sämtlich von geringerer Qualität als die vorigen, leichter, hellfarbiger, öfter gefleckt, verschieden und unregelmäßig gestaltet, glatt oder runzlig, nie stachelig oder höckerig.
Unter den Eichbäumen, welche solche Auswüchse geben, spielt die Cerris- oder Burgundereiche die Hauptrolle. Als Sorten werden gewöhnlich aufgeführt: Morea-Galläpfel, cyprische, istrianer, ungarische, italienische, französische, deren geringe Bedeutung um so mehr schwinden muß, da gute Ware jetzt so reichlich aus Asien an den Markt gebracht wird. Die chinesischen und japanischen Gallen sind weder Produkte von Eichen noch Gallwespen, sondern sind Gebilde, die aus Veranlassung von blattlausartigen Insekten auf den Blättern einer Sumachart (Rhus) entstehen, hohle dünnwandige Blasen mit geräumiger innerer Höhlung, die den Tieren zur Brutstätte und Wohnung dient, wie denn auch Reste abgestorbener Bewohner sich darin finden lassen. Im Handel erscheinen diese Gebilde teils zerbrochen, teils noch vollständig, sie sind keulenförmig gestaltet und hier und da mit vorspringenden stumpfeckigen Ausbuchtungen besetzt.
Die sehr leichten Hülsen sind knorpelig, spröde, auf dem Bruche harzglänzend. Die Drogue enthält indeß trotz aller dieser Unterschiede ganz dieselbe Gerbstoffart wie die andre, und mindestens in ebenso großer Menge oder noch mehr als die aleppischen Gallen (bis 70 Proz.), bei einem Preise, der in der Regel nur zwei Drittel oder drei Viertel von dem der letztern beträgt. Die Gerbsäure läßt sich aus beiden mit gleicher Leichtigkeit ausziehen, doch benutzt man jetzt hierzu allgemein die billigeren chinesischen G. Die Galläpfel wie die chinesischen Gallen haben ihre hauptsächliche Verwendung in der Färberei, zum Schwarz-, Braun-, Graufärben von Wolle, Leder, Rauchwaren etc.; ferner zur Tintenbereitung.
Wie bei der Tinte beruht auch bei der Färberei der Nutzen der G. darauf, daß ihr Gerbstoff mit Eisensalz schwarze Niederschläge von gerbsaurem Eisen bildet; bei vielen andern Gerbstoffen erscheint die Fällung anders gefärbt, schmuzig ^[richtig: schmutzig] grünbraun etc. Als Gerbstoff benuzt ^[richtig: benutzt] man die G. nur bei gewissen dünnen feinem Ledern, Saffian u. dgl., während die chinesischen Gallen als zum Gerben ganz untauglich erklärt werden. Bei allen vorstehenden Anwendungen werden wässerige, heißbereitete Auszüge aus dem gepulverten Material gebraucht; das Wasser übernimmt den gesamten Gerbstoffgehalt. – G., wie der Extrakt daraus, zollfrei.
Ende Galläpfel (2)
(3) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 22
vergl. Mu-shi-tse.
Ende Galläpfel (3)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 6. Band: Faidit - Gehilfe, Seite 850; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/gallaepfel
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