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| Eiwei | # (Albumin), ein im Tier- und Pflanzenreich weitverbreiteter Proteinkörper, findet sich am / 858 |
| Eiwei _2 | # (Albumen), in der Botanik ein Zellgewebe in den Samen, jetzt als Endosperm und Perisperm unterschied / 18 |
| Eiwei _3 | Reines aschefreies Albumin, welches bisher nicht bekannt war, dessen Kenntnis aber für analytisch / 203 |
| Eiwei _4 | (Albumen), Bezeichnung für vier gänzlich verschiedene Begriffe. 1) Im gewöhnlichen Sprachgebrauch / 215 |
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 5
Eiweiß
* 3 Dialyse.
(Albumin), ein im
Tier- und
Pflanzenreich weitverbreiteter
Proteinkörper, findet sich am reinsten im
Weißen der
Eier
[* 2] und bildet getrocknet eine gelbliche, durchsichtige, zu weißem
Pulver zerreibbare, geruch- und geschmacklose
Masse, welche
sich in
Wasser, aber nicht in
Alkohol und
Äther löst. Dies Eiweiß
enthält noch
Fett, welches man durch
Auswaschen
mit
Äther, und mineralische
Bestandteile, die man durch
Dialyse
[* 3] entfernen kann. Derartig gereinigtes Eiweiß
reagiert schwach sauer,
während das rohe Eiweiß
schwach alkalisch reagiert.
Verdünnte
Schwefel- und
Salzsäure, Pyro- und
Metaphosphorsäure, besonders auch
Salpetersäure fällen die Eiwei
ßlösung;
aber der
Niederschlag löst sich in
Wasser und
Essigsäure. Auch
Gerbsäure und
Kreosot, überschüssiges
Ätzkali und viele
Metallsalze
fällen Eiweiß.
Neutrale
Lösung von Eiweiß
wird bei 60° trübe und gerinnt bei 75°, wenn sie aber sehr verdünnt war, erst bei höherer
Temperatur.
Alkalien und überschüssige
Essigsäure verhindern die vollständige Gerinnung.
Auch durch
Alkohol,
Äther und konzentrierte
Salzsäure wird Eiweiß
zum
Gerinnen gebracht. Es ist dann unlöslich in
Wasser,
Alkohol,
Äther und verdünnter
Salzsäure, löslich in verdünnter
Kalilauge und konzentrierter
Salzsäure, von welch letzterer es in
Syntonin verwandelt wird, während
Alkalien
Alkalialbuminat bilden. An der
Luft fault Eiweiß
sehr bald, und da
es
Stickstoff und
Schwefel enthält, so treten unter den Fäulnisprodukten auch
Schwefelwasserstoff und
Ammoniak auf.
Pepsin verwandelt das lösliche wie das unlösliche Eiweiß
in
Pepton. Mit
Basen verbindet sich Eiweiß und bildet die
Albuminate, von
denen nur die der
Alkalien in
Wasser löslich sind; Eiweiß wird daher durch viele
Metallsalze gefällt, und
hierauf beruht seine Anwendung bei
Vergiftungen durch
Metallsalze. Das Eiweiß der
Eier ist wesentlich Natronalbuminat. Das Eiweiß des
Bluts,
Blut- oder
Serumalbumin,
Serosin oder
Serin, weicht in seiner quantitativen
Zusammensetzung etwas vom Eiereiweiß ab; es
findet sich in allen Ernährungsflüssigkeiten, im
Blut,
Chylus und in der
Lymphe, in allen serösen
Sekreten,
in geringer
Menge in der
Milch, reichlich im
Colostrum, in den
Flüssigkeiten des
Fleisches und
Zellgewebes, bisweilen auch im
Harn und im
Eiter. In seinem chemischen Verhalten weicht es nur wenig vom Eiereiweiß ab. Über das in
Pflanzen vorkommende
Eiweiß s.
Pflanzeneiweiß.
Für technische Zwecke wird Eiweiß aus Eiern und Blut dargestellt. Man trennt das Weiße sorgfältig vom Dotter der Eier, seiht es durch ein feines Haarsieb, entfernt nach etwa 24 Stunden alle abgeschiedenen Häute und trocknet es in flachen Zink- oder Porzellangefäßen in einer gut geheizten und ventilierten Kammer bei 38–40°. In 30–36 Stunden erhält man eine blätterige, blaßgelbe, in dünnen Stücken völlig durchsichtige fast geruchlose und in Wasser ohne merkliche Trübung lösliche Masse. Bei der Darstellung von Eiweiß aus Blut läßt man letzteres in Zinkschüsseln unberührt gerinnen, gießt etwa abgeschiedenes Serum ab, zerschneidet den Kuchen in 3–4 ccm große Würfel, bringt diese in Abtropfsiebe und trennt das zuerst abfließende dunklere Serum von dem später folgenden hellern, welches wie Hühnereiweiß ¶
getrocknet wird. Um das schwach gefärbte Eiweiß zu bleichen, säuert man es mit Schwefelsäure [* 5] an, peitscht es mit 0,25 Proz. Terpentinöl (Patentalbumin), entfernt die sich abscheidenden Unreinigkeiten, neutralisiert mit Ammoniak und verdampft. Auf Ausbeute und Qualität des Blutalbumins haben Gesundheitszustand, Fütterungsart, die Schlachtmethode und die Gattung des Tiers großen Einfluß; man erhält etwa die Hälfte des Bluts an Serum und aus diesem 9 Proz. Eiweiß. Durch methodisches Auslaugen des abgetropften Blutkuchens mit Wasser und Verdampfen der Flüssigkeit erhält man ein dunkles Albumin.
Eiweiß ist wohl der wichtigste und regelmäßigste Bestandteil aller pflanzlichen und tierischen Nahrungssäfte. Es scheint für das Zellenleben unentbehrlich zu sein und erleidet in der Pflanze wie im Tier die mannigfachsten Modifikationen. Wegen seiner großen Wandelbarkeit begünstigt es auch die leichte Zersetzung der abgestorbenen Tier- und Pflanzenteile, die sich in der Regel viel besser halten, wenn man das Eiweiß durch Erhitzen zum Gerinnen bringt, da geronnenes Eiweiß viel weniger leicht der Zersetzung unterliegt. Eiweiß hat die größte Bedeutung als Nahrungsstoff; in der Technik dient es zum Klären trüber Flüssigkeiten, indem es bei der durch Erhitzung herbeigeführten Gerinnung alle trübenden Teilchen einschließt und mit sich niederreißt; außerdem benutzt man es, mit Kalk gemischt, als Kitt, zum Grundieren bei der Vergoldung und zur Bereitung von Albuminpapier, welches meist durch Überziehen von Papier mit frischem Eiweiß hergestellt und in der Photographie verwendet wird.
* 6 Gewebe.
Die ausgedehnteste Verwendung findet Eiweiß aber in der Zeugdruckerei, indem man Mischungen desselben mit Körperfarben, wie Ultramarin, Eisenocker, Chromgelb, aufdruckt und dann das Gewebe [* 6] bis zur Gerinnung des Eiweißes erhitzt. Die Farben allein würden von der Faser nicht festgehalten werden, aber das gerinnende Eiweiß haftet an letzterer und schließt den Farbkörper ein. Albumin dient aber auch gewissermaßen als Mordant oder Beize in der Färberei. Druckt man z. B. auf Baumwolle [* 7] eine wässerige Lösung von Anilinviolett und Eiweiß, so ist die Farbe nach dem Trocknen matt und glanzlos und haftet auch noch nicht fest auf dem Gewebe; sobald man aber den Stoff mit Wasserdampf erhitzt, so entsteht zugleich mit der Gerinnung eine wirkliche Färbung des Albumins, die schön violette Nüance tritt hervor, und zugleich ist der Farbstoff auf dem Gewebe befestigt. Tränkt man Baumwolle mit Eiweißlösung und setzt sie heißen Dämpfen aus, so kann sie auf dieselbe Weise wie Wolle mit Anilinfarbstoffen gefärbt werden, während diese von reiner Baumwolle nicht fixiert werden. Das trockne Albumin wird besonders in Deutschland, [* 8] Österreich, aber auch in Südamerika [* 9] und Australien [* 10] dargestellt, wo die Fleischextraktindustrie massenhaft über Tierblut verfügt.
(Albumen), in der Botanik ein Zellgewebe in den Samen, [* 11] jetzt als Endosperm und Perisperm unterschieden (s. Same).
Ende Eiwei (1)
(2) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 18
Reines aschefreies Albumin, welches bisher nicht bekannt war, dessen Kenntnis aber für analytische und physiologische Zwecke von großem Interesse ist, hat Harnack dargestellt. Er benutzte ¶
eine Lösung von möglichst reinem Albumin, welche durch Abscheidung der Globuline aus dem Eiweiß gewonnen wurde, fällte sie mit Kupfersalzlösung und machte das abgeschiedene Kupferalbuminat durch wiederholtes Lösen in Natronlauge und Fällen mit Essigsaure salzfrei. Dann wurde das Kupferalbuminat wieder in Natronlauge gelöst und aus der Lösung nach 24 Stunden (innerhalb welcher Zeit die Kupferverbindung sich zersetzt) mit Salzsäure reines Eiweiß gefällt, welches nach dem Auswaschen nur ca. 0,1 Proz. Asche, namentlich weder Phosphorsäure noch Eisen [* 13] enthält.
Dies Präparat weicht in wesentlichen Eigenschaften vom gewöhnlichen Eiweiß ab, es ist durch Siedehitze nicht koagulierbar, scheint überhaupt für sich keine geronnene Modifikation zu bilden. Es wird durch Alkohol, Äther, Phenol, Tannin nicht gefällt, quillt mit reinem kalten Wasser und löst sich allmählich, namentlich beim Erhitzen bis zum Sieden. Aus dieser Lösung wird es durch Neutralsalze und Säuren, nicht durch Alkalien gefällt. Beim Verdampfen der Lösung bei 100° erhält man es unverändert als Rückstand. Das reine Albumin verhält sich also analog andern kolloiden Substanzen, wie Kieselsäure und Thonerde, deren durch Dialyse gewonnene Lösungen auf Zusatz einer kleinen Salzmenge sofort gerinnen.
Ende Eiwei (2)
(3) Brockhaus´ Konversationslexikon, 1902-1910 _ 55
(Albumen), Bezeichnung für vier gänzlich verschiedene Begriffe.
* 14 Ehrlicher Makler - Ei.
1) Im gewöhnlichen Sprachgebrauch und in der Histologie ist Eiweiß das zartwandige, mit reichlichem Saft erfüllte Zellgewebe, worin im Ei der [* 14] Vögel [* 15] und Reptilien das Eigelb (s. d.) oder der Eidotter eingebettet ist. Der Inhalt dieses Zellgewebes besteht vorzugsweise aus wasserreichem Eieralbumin (s. Albumin); außerdem findet sich eine geringe Menge von verseiftem Fett, eine Zuckerart und von Salzen namentlich Kochsalz.
2) Der Botaniker nennt Eiweiß den außerhalb des Embryos liegenden, von der Samenschale umkleideten Teil der Samen, worin die der jungen Keimpflanze als erste Nahrung dienenden Reservestoffe aufgespeichert sind.
3) Chemisch ist Eiweiß einerseits gleichbedeutend mit Albumin (s. d.), dem Hauptbestandteil des Eier-Eiweißes; endlich ist Eiweiß 4) der Sammelname für eine große Klasse von Körpern, die auch als Eiweißstoffe oder Proteinstoffe (s. d.) bezeichnet werden. Im Blute finden sich mehrere Eiweißkörper, und zwar in den roten Blutkörperchen [* 16] das Globulin, welches in Verbindung mit dem eisenhaltigen Hämatin den wichtigen Blutfarbstoff (s. d.) bildet, im Blutplasma das Serumalbumin (Blutalbumin), welches etwa 6 Proz. der gesamten Blutflüssigkeit ausmacht, und das Serumcaseïn oder Serumglobulin, welches im entleerten Blute mit einem andern, gleichfalls im Blut gelösten Eiweißkörper, dem sog. Fibrinogen, die Bildung des Blutfaserstoffs und damit die Gerinnung des Blutes verursacht. Das Blutalbumin findet in der Technik vielfache Anwendung und wird deshalb fabrikmäßig dargestellt. (S. Albumin.)
Ende Eiwei (3)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 5. Band: Distanzgeschäft - Faidherbe, Seite 491; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/eiweiss
x.
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