| 3 Artikel | Textanfang / Anzahl Wörter |
|---|---|
| Alkaloide | (Pflanzenbasen), eigentümliche, oft durch hervorragende physiologische Wirkungen ausgezeichnete / 790 |
| Alkaloide _2 | (Org. Basen). Mit diesem Namen belegt man diejenigen stickstoffhaltigen organischen Verbindungen, / 123 |
| Alkaloide _3 | stickstoffhaltige Körper von basischem (alkaliähnlichem) Charakter, die sich in vielen Pflanzen, / 152 |
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 1
Alkaloide
(Pflanzenbasen), eigentümliche, oft durch hervorragende physiologische
Wirkungen ausgezeichnete
Pflanzenstoffe, welche aus
Kohlenstoff,
Wasserstoff und
Stickstoff bestehen, meist auch
Sauerstoff enthalten und in mancher Hinsicht
den
Alkalien (daher der
Name) gleichen, namentlich auch mit
Säuren gut charakterisierte
Salze bilden. Sie sind weit verbreitet
im
Pflanzenreich und am häufigsten und reichlichsten in
Früchten,
Samen
[* 2] und
Rinden. Ihr Vorkommen steht
in merkwürdigem Zusammenhang mit dem Familiencharakter, also der besondern
Organisation der
Pflanzen. So besitzt jede
Gattung
der Pflanzenfamilien der Solaneen und
Papaveraceen ein oder selbst mehrere besondere Alkaloide
, die sonst nirgends vorkommen; in
andern
Familien, z. B. bei
den Strychnaceen, führen alle oder doch viele
Gattungen eins und dasselbe Alkaloid,
und nur wenige Alkaloide
sind, wie das
Berberin und
Kaffein, über mehrere
Familien verbreitet.
* 4 Schwefelsäure.
Die größere
Zahl der Pflanzenfamilien und darunter die artenreichen der
Kompositen
[* 3] und
Labiaten führen keine Alkaloide;
von den
Monokotyledonen sind Alkaloide
nur aus der
Familie der Kolchicaceen, und aus dem
Reich der
Kryptogamen ist allein
das
Muscarin bekannt. Die
Zahl der gegenwärtig bekannten Alkaloide
mag über 100 betragen. Wenige Alkaloide sind flüchtige, wasserhelle,
intensiv riechende, in
Alkohol,
Äther und
Chloroform, meist auch in
Wasser lösliche
Flüssigkeiten; die meisten sind fest, farb-
und geruchlos, schmecken bitter, sind nicht oder nur in sehr kleinen
Mengen unzersetzt sublimierbar, kristallisieren,
sind in
Wasser schwer oder gar nicht, in
Alkohol,
Benzin,
Amylalkohol,
Chloroform leicht löslich, reagieren stark alkalisch und
geben mit
Säuren feste, geruchlose, in
Alkohol leichter als in
Wasser und
Äther lösliche
Salze. Die Alkaloidsalze der
Gerbsäure,
Phosphormolybdänsäure, Pikrin- und Metawolframsäure und die
Doppelsalze mit
Platin- und
Goldchlorid sind
schwer löslich.
Alkalien, alkalische
Erden und
Ammoniak fällen die Alkaloide
aus ihren
Salzen; konzentrierte
Säuren färben manche
eigentümlich und oft sehr schön. – Zur
Darstellung der flüchtigen Alkaloide
destilliert man die
Vegetabilien mit
Wasser und
Kalk-
oder
Natronhydrat, wobei das in den
Pflanzen enthaltene Alkaloidsalz zersetzt wird und das Alkaloid selbst
sich mit den Wasserdämpfen verflüchtigt, neutralisiert das Destillat mit
Schwefelsäure
[* 4] und extrahiert aus dem Verdampfungsrückstand
desselben das Alkaloidsalz mit
Ätherweingeist.
Die nicht flüchtigen Alkaloide
werden mit angesäuertem
Alkohol den
Pflanzen entzogen, mit
Alkali aus dem filtrierten
Auszug gefällt
und dann gereinigt. Die in
Wasser löslichen fällt man mit Phosphormolybdänsäure, trennt sie dann wieder
von dieser mittels kohlensauren
Kalks, löst sie in
Alkohol und verdampft diesen. Welche
Rolle die Alkaloide
im
Leben der
Pflanzen spielen,
ist nicht bekannt. Man weiß nur, daß der
Chinarindenbaum in unsern
Gewächshäusern gedeiht und, ohne zu kränkeln, vollständig
aufhört,
Chinin zu erzeugen; auch wächst
Schierling in
Schottland ganz üppig, aber ohne einen
Gehalt an
Coniin. Die chemische
Konstitution der Alkaloide ist erst in neuester Zeit aufgeklärt worden, es hat sich gezeigt, daß die Alkaloide in
naher Beziehung zu den
Pyridinbasen stehen, und es ist nunmehr begründete Aussicht vorhanden, daß die künstliche
Darstellung
von Alkaloiden gelingen werde.
Auf den tierischen Organismus wirken die Alkaloide sehr energisch. Die meisten Alkaloide bilden den eigentlich wirksamen Bestandteil von Arzneimitteln (Chinin in der Chinarinde, Atropin in der Belladonna etc.), finden sich darin aber in sehr geringen und oft schwankenden Mengen, so daß die Wirkung des Vegetabils selbst eine viel weniger sichere ist als die des reinen Alkaloids. Manche Pflanzen enthalten auch Substanzen, welche störende Nebenwirkungen hervorbringen, und deshalb ¶
ist die Benutzung der Alkaloide als Arzneimittel sehr allgemein. Sie wirken schon in sehr geringen Mengen bedeutend auf den Organismus. Man gibt sie oder noch häufiger ihre Salze in fester und flüssiger Form, appliziert sie direkt auf Schleimhäute oder spritzt ihre Lösungen unter die Haut [* 6] (subkutane Injektion). [* 7] Die Wirkung macht sich teilweise schon im Blut geltend, ist jedoch hauptsächlich auf das Nervensystem gerichtet. Auffallend ist der Gegensatz in der Wirkung mancher Alkaloide (Antagonismus). So hebt Atropin die giftigen Wirkungen des Morphins auf und umgekehrt, aber das Atropin hindert nicht die schmerzstillende Wirkung des Morphins, und man kann daher in dieser Beziehung mit letzterm viel größere Resultate erzielen, wenn man gleichzeitig wie als Schutzmittel Atropin darreicht.
* 8 Salz.
Von manchen Alkaloiden vernichten schon sehr geringe Mengen das Leben, und Vergiftungen erfordern schleunigste ärztliche Hilfe, welche sich zunächst auf Überführung des Gifts in unlösliche Form mittels Tannins und Entfernung desselben aus dem Körper richtet. Die Nachweisung der Alkaloide bei Giftmorden gelingt in den meisten Fällen. Man extrahiert den Mageninhalt etc. mit angesäuertem Alkohol und erhält so eine Lösung des Alkaloids als Salz, [* 8] welche man durch Verdampfen von Alkohol befreit, mit Äther (in welchem das Alkaloidsalz nicht oder nur wenig löslich ist) schüttelt, um Fette etc. zu entfernen, dann mit Alkali übersättigt, worauf man das nun frei gewordene Alkaloid (welches in Wasser schwer löslich ist) durch Schütteln mit Äther, Amylalkohol, Chloroform oder Benzin (in denen es sich leicht löst) in diese Flüssigkeiten überführt. Es kann dann leicht weiter gereinigt und an seinen Reaktionen und physiologischen Wirkungen auf Tiere erkannt werden.
Vgl. Alkaloide und Th. Husemann, Die Pflanzenstoffe (2. Aufl., Berl. 1883).
Ende Alkaloide (1)
(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
(Org. Basen). Mit diesem Namen belegt man diejenigen stickstoffhaltigen organischen Verbindungen, welche basische Eigenschaften haben und fertig gebildet im Pflanzenreiche vorkommen. Die Zahl derselben ist schon ziemlich groß und steht zu erwarten, daß auch noch weitere entdeckt werden. Die meisten derselben sind starke Gifte und zugleich wertvolle Heilmittel. Diejenigen die im Handel vorkommen sind unter ihren Namen beschrieben; sie sind größtentheils weiße kristallinische oder auch amorphe Körper ohne Geruch, nur das Coniin und Nicotin sind flüssig und haben einen starken Geruch. Die Versendung geschieht in Glasgefäßen oder bei größeren Posten in Büchsen von Weißblech. Im Detailverkauf dürfen die A. nicht abgegeben werden. Die gangbarsten A. sind: Chinin, Morphin, Aconitin, Strychnin, Atropin, Veratrin, Physostigmin, Curarin und Coffeïn, sowie deren Salze. – Einfuhr: zollfrei.
Ende Alkaloide (2)
(3) Brockhaus´ Konversationslexikon, 1902-1910 _ 51
stickstoffhaltige Körper von basischem (alkaliähnlichem) Charakter, die sich in vielen Pflanzen, namentlich solchen, die durch ihre heilenden oder ¶
giftigen Wirkungen ausgezeichnet sind, vorfinden. Einige derselben können auch künstlich dargestellt werden. Sie sind meist auch sauerstoffhaltig, in Wasser wenig, in Alkohol leicht löslich, reagieren alkalisch und bilden mit Säuren Salze. Einige davon, wie das Coniin und Nicotin, sind flüssig, die übrigen, wie die Alkaloide des Opiums (Morphin, Codein, Papaverin u. s. w.), der Chinarinden (Chinin, Chinidin, Chinicin, Chinchonin), der Strychnosarten (Strychnin, Brucin, Curarin u. s. w., sind fest. Mehrere der Alkaloide, wie das Strychnin und das Morphin, gehören zu den schärfsten Giften. Aus ihren Lösungen werden die Alkaloide unlöslich niedergeschlagen durch Tannin, Phosphormolybdänsäure, Phosphorwolframsäure, Kaliumquecksilberchlorid und Kaliumquecksilberjodid. Der Nachweis der Alkaloide bei Vergiftungen ist leicht, da die meisten sich durch charakteristische Farbenreaktionen auszeichnen. Die meisten Alkaloide sind Abkömmlinge des Pyridins oder Chinolins. –
Vgl. Pictet, Die Pflanzenalkaloide und ihre chem. Konstitution (deutsch von Wolffenstein, Verl. 1891).
Ende Alkaloide (3)
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 1. Band: A - Atlantiden, Seite 365; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/alkaloide
Sie sind hier: eLexikon > Meyers > Band 1 > Seite 1.365 > Alkaloide