| 9 Artikel | Textanfang / Anzahl Wörter |
|---|---|
| Äther | # eine in der griech. Mythologie personifizierte kosmologische Idee, nach Hesiod Sohn des Erebos / 151 |
| Äther _2 | # in der Physik eine feine, elastische, den ganzen Weltraum und die Räume zwischen den Molekülen / 278 |
| Äther _3 | # eine Klasse chemischer Verbindungen, welche aus Alkoholen unter Austritt von Wasser entstehen. / 304 |
| Aether | Schwefeläther, Äthyläther (s. d.); A. aceticus, Essigäther; A. anaestheticus, Aranscher / 43 |
| Äther | (fr. éther, engl. ether); ohne jede nähere Bezeichnung versteht man hierunter stets den Äthyläth / 456 |
| Äther _2 | # chem. Gesamtbezeichnung für organische Verbindungen, die als Anhydride der Alkohole (s. d. / 220 |
| Äther _3 | # gewöhnlicher, Äthyläther, Äthyloxyd, Schwefeläther, Schwefelnaphtha, C4H10O = (C2H5)2O, / 727 |
| Äther _4 | # (mytholog.), s. Aither. / 4 |
| Äther _5 | # Lichtäther, nach allgemeiner Annahme der neuern Physik ein äußerst feiner und höchst elastisch / 134 |
(1) Meyers Konversations-Lexikon, 1888 _ 1
Äther,
* 2 Zeus.
eine in der griech.
Mythologie personifizierte kosmologische
Idee, nach Hesiod Sohn des
Erebos und der
Nacht
(Nyx),
der
Kinder des
Chaos; nach Hygin nebst der
Nacht, dem
Tag und dem
Erebos von dem
Chaos und der
Göttin des
Dunkels erzeugt, wie aus
der
Verbindung des
Äthers mit der
Erde die
Titanen,
Laster und Übel hervorgehen. Nach beiden erscheint der
Äther
als eine der Grundsubstanzen, aus denen sich das Weltall gebildet hat, in den Orphischen
Hymnen aber als die Weltseele,
von der alles
Leben Anfang und Gedeihen empfängt.
Später wurde der Äther
als der Himmelsraum, als
Wohnung
der
Götter gedacht, und als
Herr derselben erscheint
Zeus,
[* 2] der in ihm wohnend (auch als Sohn des
Äthers) gedacht wurde. – In der
altgriechischen
Philosophie ist Äther
das belebende Wärmeprinzip, ein fünftes
Element oder das substantielle
Wesen
Gottes selbst,
welches gedacht wird als äther
isches, künstlerisches
Feuer, von dem alles Sein,
Leben und
Denken stammt.
Äther,
in der
Physik eine feine, elastische, den ganzen Weltraum und die
Räume zwischen den
Molekülen der
Körper erfüllende
Substanz, welche man annehmen muß, um die
Fortpflanzung des
Lichts, das als eine
Wellenbewegung
[* 3] des
Äthers angesehen wird, zu
erklären. Man nimmt gewöhnlich an, daß die Teilchen des
Äthers sich gegenseitig abstoßen, dagegen
von den Körperteilchen angezogen werden, was zur
Folge hat, daß sich um jedes
Molekül, gleich einer
Atmosphäre, eine
Äther
hülle
sammelt, die einen
Bestandteil des Moleküls bildet.
* 4 Licht.
Die
Kräfte, welche zwischen zwei
Molekülen thätig sind, wären hiernach von dreierlei Art: die gegenseitige
Anziehung der materiellen
Atome der beiden
Moleküle, die
Anziehung der
Atome des einen Moleküls auf die Äther
hülle des andern,
endlich die gegenseitige Abstoßung der beiden Äther
hüllen. Die Ätherhypothese macht die frühere
Annahme, daß
Licht,
[* 4]
Wärme,
[* 5] Magnetismus
[* 6] und
Elektrizität
[* 7] verschiedene eigentümliche unwägbare
Stoffe, sogen.
Imponderabilien, seien, entbehrlich, indem
sie die Möglichkeit bietet, alle diese
Erscheinungen aus
Bewegungen des
Äthers und aus der
Wechselwirkung
desselben mit den materiellen
Atomen zu erklären. Die entsprechenden
Abschnitte der
Physik, welche von diesen
Erscheinungen
handeln, werden daher wohl auch unter der Bezeichnung
»Physik des
Äthers« zusammengefaßt. – In der
Astronomie
[* 8] wird A. ^[richtig:
Ä.] dasjenige
Fluidum genannt, welches das
Licht der
Sterne schwächt und die
Bahn z. B. des Enckeschen
Kometen
[* 9] verengert.
Auch als
Ursache der allgemeinen
Massenanziehung hat man ihn betrachtet. Nach den neuesten
Ansichten ist der Äther
des Astronomen
mit demjenigen des Physikers identisch und ein über alle
Vorstellung feines
Medium. Doch liegt kein
Grund
vor, dasselbe zu den sogen.
Imponderabilien zu zählen, vielmehr ist der Äther möglicherweise ein körperlicher
Stoff, der in der
Nähe der Himmelskörper an Dichte zunimmt und vielleicht sogar einen
Bestandteil ihrer
Atmosphären bildet. (S.
Weltsystem.)
eine Klasse chemischer Verbindungen, welche aus Alkoholen unter Austritt von Wasser entstehen. Das Vorbild dieser Körper ist der Äthyläther, dessen Bildung die Chemiker lange beschäftigt und zu vielen Theorien Veranlassung gegeben hat. Jetzt weiß man, daß 1 Molekül Äther aus 2 Molekülen Alkohol entsteht. Dies zeigt deutlich folgende Reaktion:
C2H5J + C2H5ONa = C2H5.O.C2H5 + NaJ ^[C2H5J + C2H5ONa = C2H5.O.C2H5 + NaJ]
Jodäthyl Natriumäthylat Äthyläther Jodnatrium
* 10 Salz.
Der Äthyläther ist ein einfacher Äther, weil er zwei Äthylgruppen (C2H5 ) enthält, die durch Sauerstoff zusammengehalten werden; läßt man aber ein Alkoholjodür auf die Natriumverbindung eines andern Alkohols einwirken, so entsteht ein gemischter Äther, aus Jodäthyl und Natriumamylat z. B. der Amyläthyläther C2H5.O.C5H11 ^[C2H5.O.C5H11]. Diese Äther sind flüchtige Flüssigkeiten, leichter als Wasser, darin wenig oder nicht löslich und sehr beständig. Sie werden durch Kalilauge nicht angegriffen. Ganz verschieden von den einfachen und gemischten Äthern sind die zusammengesetzten Äther. Diese entstehen bei der Einwirkung von Säuren auf Alkohole, leichter aus Alkoholen und Säuren, wenn man Alkohol mit dem Salz der [* 10] betreffenden Säure und einer stärkern Mineralsäure destilliert. So bildet sich Essigäther nach folgendem Schema:
2C2H3KO2 + 2C2H6O + H2S04 = 2C2H3C2H5O2 + K2SO4 + 2H2O ^[2C2H3KO2 + 2C2H6O + H2SO4 = 2C2H3C2H5O2 + K2SO4 + 2H2O]
essigsaures Kali Alkohol Schwefelsäure [* 11] Essigsäureäthyläther schwefels. Kali Wasser.
Die zusammengesetzten Äther sind meist flüchtige, angenehm riechende Flüssigkeiten, leichter als Wasser und darin wenig oder nicht löslich. Sie werden durch Kalilauge zersetzt, indem sich Alkohol und das Kalisalz der betreffenden Säure bilden:
C2H3C2H5O2 + KHO = C2H6O + C2H3KO2 ^[C2H3C2H5O2 + KHO = C2H3KO2]
Essigsäureäthyläther Kalihydrat Alkohol essigsaures Kali.
Unter erhöhtem Druck werden sie auch durch Wasser zersetzt. Manche zusammengesetzte Äther kommen in der ¶
Natur vor (Salicylsäure-Methyläther im Gaultheriaöl), und einige von ihnen bedingen das Aroma z. B. des Weins und wahrscheinlich auch vieler Früchte (s. Fruchtäther). Auch die Fette sind zusammengesetzte Äther.
Aether,
Schwefeläther, Äthyläther (s. d.);
Aether
aceticus, Essigäther;
Aether
anaestheticus, Aranscher Äther;
Aether
benzoicus,
Benzoeäther;
Aether
butyricus, Butteräther;
Aether
formicicus, Ameisenäther;
Aether
hydrochloratus, muriaticus,
Salzäther;
Aether
nitrosus, Salpetrigsäureäthyläther;
Aether
petrolei, Petroleumäther;
Aether
phosphoratus, eine Lösung von Phosphor
in Äther;
Aether
sulfuricus, Schwefeläther, Äthyläther (s. d.).
Ende Äther (1)
(2) Merck`s Warenlexikon, 1884 _ 21
(fr. éther, engl. ether); ohne jede nähere Bezeichnung versteht man hierunter stets den Äthyläther (Äthyloxyd, Vinäther, ¶
Schwefeläther, Vitriolnaphta, lat. Aether sulfuricus, Naphta vitrioli), ein Produkt der chemischen Großindustrie. Der Ä. wird durch Erwärmen von Spiritus (Äthylalkohol) mit konzentr. Schwefelsäure dargestellt, wobei sich die beim Zusammenbringen der beiden Flüssigkeiten zunächst entstehende Ätherschwefelsäure in Äther und verdünnte Schwefelsäure zersetzt. Der gebildete Rohäther wird dann durch wiederholte Destillation vom größten Theile des anhängenden Wassers und Alkohols befreit und heißt dann rektifizierter Ä. (Äther rectificatus); ganz wasserfreier und alkoholfreier Ä. wird absoluter Ä. (Aether absolutus) genannt. Die Ätherfabrikation gehört zu den sehr feuergefährlichen Industriezweigen. – Der Ä. unterscheidet sich vom Alkohol in der Zusammensetzung nur durch einen Mindergehalt von Wasserstoff und Sauerstoff; Schwefel enthält der Ä. nicht, wie man aus dem im Handel sehr gebräuchlichen Namen Schwefeläther leicht schließen könnte.
Der Ä. ist eine farblose, wasserhelle, sehr leicht bewegliche, schnell verdampfende Flüssigkeit von starkem, durchdringendem, betäubendem Geruch und brennendem Geschmack; er ist äußerst leicht entzündlich und brennt mit blaßblauer Flamme. Mit Wasser mischt er sich nicht, sondern schwimmt darauf; hierbei nimmt er jedoch etwas Wasser auf und wird auch umgekehrt vom Wasser in geringer Menge gelöst; in Alkohol löst er sich leicht. Die Prüfung des Ä. hat sich zunächst auf die Ermittelung des spezifischen Gewichtes zu erstrecken, was am schnellsten mittelst eines genauen, für diesen Zweck angefertigten Aërometers (Ätherwaage) geschieht.
Reiner absoluter Ä. muß bei 15° C. ein spez. Gewicht von 0,722 besitzen; außer diesem führt man im Handel noch einen von 0,725 und einen von 0,728, die beide auf den Preiskuranten auch noch als Äther absolutus bezeichnet werden; der von 0,728 spez. Gew. ist die gangbarste Sorte und führt die Bezeichnung Ph. G. (Pharmacopoea Germaniae). Die geringste Sorte von 0,750 heißt Aether rectificatus, eine von 0,733 Aether bisrectificatus oder doppeltrektifizierter Ä. Die Preise des Ä. sind schwankend und richten sich nach den Spirituspreisen. – Ein guter Ä. darf beim Verdampfen keinen Rückstand hinterlassen und darf auch nicht sauer reagieren, was man am besten durch Schütteln desselben in einem Reagensröhrchen mit einigen Tropfen Lackmustinktur erkennt, die dadurch nicht rot gefärbt werden darf, sondern blau bleiben muß.
Verwendung findet der Ä. teils in Apotheken, teils bei der Bereitung verschiedener chemischer Präparate, so z. B. bei der Fabrikation von Tannin, Milchsäure, photographischem Kollodium. Die Aufbewahrung muß in sehr kühlen, feuersicheren, von den Sonnenstrahlen nicht getroffenen Lokalen geschehen. Die Versendung auf Eisenbahnen geschieht nur mit separaten Güterzügen, sogenannten Feuerzügen und muß auf dem Frachtbriefe das Wort «feuergefährlich» stehen. Die Verpackung darf nur entweder in Flaschen geschehen, welche, in starke Holzkisten gestellt, mit Kleie oder Sägemehl ausgefüttert sind, oder in Glasballons, deren Inhalt 35 k nicht übersteigt, mit hinreichendem Verpackungsmateriale umgeben in Körben mit gutschliessendem Deckel. – Zoll: S. Tarif im Anh. Nr. 5 a.
Ende Äther (2)
(3) Brockhaus´ Konversationslexikon, 1902-1910 _ 52
chem. Gesamtbezeichnung für organische Verbindungen, die als Anhydride der Alkohole (s. d.) aufzufassen sind, indem z. B. zwei Alkoholradikale durch ein Sauerstoffatom verbunden sind. Als Beispiel diene der gewöhnliche Äther, der durch Wasseraustritt aus dem Äthylalkohol nach folgender Gleichung entsteht:
C2H5·OH+C2H5·OH = C2H5·O·C2H5+H2O ^[C2H5·OH+ C2H5·OH = C2H5·O·C2H5+H2O].
Die einfachen Äther enthalten zwei gleiche Alkoholradikale, die gemischten Äther zwei verschiedene Alkoholradikale, wie z.B. der Methyläthyläther, CH3·O·C2H5 ^[CH3·O·C2H5]. Darstellungsmethoden für Äther sind die folgenden. Man läßt Alkylhaloide auf Natriumalkoholate einwirken:
C2H5·Cl+CH3·ONa = C2H5·O·CH3+NaCl ^[C2H5·Cl+CH3·ONa = C2H5·O·CH3+NaCl].
Oder man erwärmt die Alkohole mit konzentrierter Schwefelsäure, wobei sich zunächst Ätherschwefelsäuren bilden (s. Äther, gewöhnlicher).
* 15 Glied.
Die Äther sind meist neutrale, flüchtige, in Wasser nahezu unlösliche Flüssigkeiten. Das niedrigste Glied, [* 15] der Methyläther, CH3·O·CH3 ^[CH3·O·CH3] ist ein Gas; die höchsten Glieder, [* 16] wie der Cetyläther, sind fest. Die Siedepunkte der Äther liegen stets viel niedriger als die der Alkohole von gleichem Kohlenstoffgehalte. In chem. Beziehung sind die Äther sehr indifferent und wenig zu Umsetzungen geneigt. Auch die Phenole vermögen Äther zu bilden.
Von diesen Äther muß man die sog. zusammengesetzten Äther unterscheiden, die ein Alkohol- und Säureradikal enthalten und welche besser als Ester (s. d.) bezeichnet werden. Von diesen Estern werden in der Pharmacie der Essigäther, Salpeteräther u. s. w. verwendet, in der Spirituosenfabrikation benutzt man verschiedene Ester als Arrakessenz, Rumessenz, in der Zuckerbäckerei als Ananas-, Apfel-, Birn-, Erdbeer- und andere Essenzen.
gewöhnlicher, Äthyläther, Äthyloxyd, Schwefeläther, Schwefelnaphtha, C4H10O = (C2H5)2O ^[C4H10O = (C2H5)2O], entsteht, indem konzentrierte Schwefelsäure bei einer Temperatur von 130 – 140° C. auf starken Äthylalkohol wirkt. Der bei der Ätherverbindung stattfindende Vorgang zerfällt in zwei Abteilungen. Schon bei gewöhnlicher Temperatur treten aus 1 Molekül Alkohol und 1 Molekül Schwefelsäure die Elemente von 1 Molekül Wasser aus, es entsteht der saure Äthyläther der Schwefelsäure, Ätherschwefelsäure oder Äthylschwefelsäure nach der Gleichung:
C2H5·OH+H2SO4 = C2H5O·SO3H+H2O ^[C2H5·OH+H2SO4 = C2H5O·SO3H+H2O].
Wirkt dann bei 130–140° C. auf die Ätherschwefelsäure ein zweites Molekül Alkohol, so vereinigt sich die in der Ätherschwefelsäure enthaltene Atomgruppe C2H5O ^[C2H5] mit dem Äthyl, C2H5 , des Alkohols zu Äther, während wieder Schwefelsäure entsteht:
C2H5·O·SO3H+C2H5·OH = ^[C2H5·O·SO3H+C2H5·OH =]
C2H5·O·C2H5+H2SO4 ^[C2H5·O·C2H5+H2SO4].
Faßt man beide Zersetzungsstadien in eine Gleichung zusammen, so erhält man:
2C2H5·OH+H2SO4 = ^[2C2H5·OH+H2SO4 =]
C2H5·O·C2H5+H2O+H2SO4 ^[C2H5·O·C2H5+H2O+H2SO4].
Hieraus erhellt aber, daß ein und dieselbe Menge von Schwefelsäure im stande ist, unbegrenzt große Mengen von Alkohol in Äther zu verwandeln, wenn man zu der in einer Destillierblase befindlichen Säure dauernd Weingeist hinzufließen läßt und das Gemenge dabei stets auf der Ätherbildungstemperatur (etwa 130°) erhält. Dabei sollten als Reaktionsprodukte nur Äther und Wasser gebildet werden. Bei der Ausführung gestaltet sich aber der Prozeß etwas abweichend, insofern ein Teil des Wassers durch die große Hygroskopicität der Schwefelsäure bei dieser zurückgehalten wird, wodurch schließlich ein Verdünnungsgrad eintritt, bei dem Säure und Alkohol nur noch mangelhaft aufeinander reagieren; versucht man durch eine Steigerung der Temperatur die Schwefelsäure von dem aufgenommenen Wasser zu befreien, so tritt der Übelstand ein, daß die Säure bei der dazu erforderlichen Temperatur zerstörend unter Abscheidung von Kohle auf den Alkohol wirkt, wobei dann die Kohle wieder Zersetzung der Schwefelsäure zu schwefliger Säure hervorruft.
* 17 Destillation.
Der rohe Äther enthält noch Wasser und Alkohol gelöst und ist meist durch schweflige Säure verunreinigt. Um ihn hiervon zu befreien, versetzt man ihn zunächst in geräumigen starken Flaschen mit seinem gleichen Volumen Wasser, dem etwas Kalkmilch zugefügt ist, und schüttelt kräftig um, wobei das Wasser den Alkohol aufnimmt und der Kalk die schweflige Säure bindet. Den auf dem Wasser schwimmenden Äther zieht man mittels eines Hebers ab und rektifiziert ihn durch Destillation [* 17] über Chlorcalcium.
Letztere Operation ist wegen ihrer Feuergefährlichkeit mit äußerster Sorgfalt auszuführen. Die Erwärmung des Destillationsapparats ist nur durch warmes Wasser zu bewirken, durch den Kondensator [* 18] ist ein starker Strom von möglichst kaltem Wasser zu führen. Der so gewonnene Äther ist für alle pharmaceutischen Verwendungen genügend rein, obgleich er noch spuren von Wasser und Alkohol enthält. Will man ihm diese entziehen, wie es für einzelne chem. Zwecke erforderlich ist, so bringt man den Äther mit zu feinen Scheiben zerschnittenem Natriummetall zusammen; letzteres wird dabei durch das Wasser in Natriumoxydhydrat, durch den Alkohol in Natriumalkoholat verwandelt, beides unter Freiwerden von Wasserstoff. Die Wasserstoffentwicklung dauert meist tagelang, nach ihrer Beendigung destilliert man den Äther in gläsernen Apparaten. In dem bei der ersten Destillation erhaltenen Wasser sowie im Waschwasser des rohen Äther ist noch viel Äther gelöst. Um diesen zu gewinnen, destilliert man die gesammelten Wasser, wobei zu Anfang reiner Äther, dann alkoholhaltiger Äther und endlich wässeriger Alkohol übergeht, die für sich zu gute gemacht werden.
* 19 Dampf.
Der Äther ist eine farblose, neutral reagierende Flüssigkeit von eigentümlich erfrischendem und belebendem Geruch, deren Dampf [* 19] beim Einatmen Bewußtlosigkeit hervorruft (s. Anästhesieren); er siedet bei 34,9° C., verdunstet rasch an der Luft ohne Rückstand, sein spec. Gewicht bei 6,9° C. ist 0,7239; der pharmaceutisch verwendete Äther soll nach der 3. Ausg. des Deutschen Arzneibuches (von 1890) das spec. Gewicht 0,728 bei 15° haben und auf bestem Filtrierpapier rasch verdunsten, ohne einen Geruch zu hinterlassen; sein Dampf ist ungemein leicht entzündlich, mit Luft gemischt explodiert er gewaltsam, alle Arbeiten mit Äther müssen daher mit größter Vorsicht und in beträchtlicher Entfernung von jeder Flamme [* 20] ausgeführt werden.
Äther löst sich in 14 Teilen Wasser und nimmt selbst 1/36 seines Gewichts Wasser auf; ist mit Alkohol, Holzgeist, Aceton, Chloroform in jedem Verhältnis mischbar; löst alle Fette, Öle, Harze, ätherischen Öle, viele Alkaloide, Jod, Brom, Phosphor, wenig Schwefel, ferner gewisse Metallsalze, namentlich die Chloride, Bromide, Jodide von Quecksilber, Gold, [* 21] Kupfer, [* 22] Eisen, [* 23] Aluminium, Silicium, mit denen er zum Teil chem. Verbindungen eingeht. Der Äther findet Verwendung in der ¶
Technik, namentlich als Lösungsmittel für Alkaloide; in Äther gelöste Schießbaumwolle ist das Kollodium, pharmaceutisch wird sowohl der reine Äther wie die Mischung desselben mit 3 Teilen Alkohol (Spiritus [* 25] aethereus, Hoffmanns Tropfen) verwendet. Auch als Berauschungsmittel wird der Äther gemißbraucht.
(mytholog.), s. Aither.
Lichtäther, nach allgemeiner Annahme der neuern Physik ein äußerst feiner und höchst elastischer Stoff, der nicht nur im ganzen Weltraume verbreitet ist, sondern auch die Zwischenräume ausfüllt, durch welche die kleinsten Teilchen der Körper voneinander getrennt sind. Der Äther ist das Mittel, durch das sich die Licht- und Wärmestrahlen fortpflanzen. Als solches müssen ihm, da derselbe Querschwingungen fortleitet (s. Licht), gewisse Eigenschaften eines starren Körpers zugeschrieben werden, während er andererseits wieder Eigenschaften einer Flüssigkeit zeigen soll. Im Ä. pflanzen sich nach neuerer Anschauung auch die elektrischen und magnetischen Zustände fort, die zu den Vorgängen des Lichtes in engster Beziehung stehen (s. Elektro-Optik). Früher galt der Äther als soq. Imponderabile, d. h. als ein gewichtsloser Stoff. Aus der Energie der Lichtwellen hat man gefunden, daß der Äther etwa 15 trillionenmal leichter ist als atmosphärische Luft.
Ende Äther (3)
→Seite 52.32: Aether aceticus =s. Essigsäureäther.
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 1. Band: A - Atlantiden, Seite 1010; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/aether
x.
[1.1010] Äther eine in der griech. Mythologie personifizierte
[1.1010] Äther in der Physik eine feine
[1.1010] Äther eine Klasse chemischer Verbindungen
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