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| Kochem | (Kochheim), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, an der Mosel und an der Linie Perl-Koble / 130 |
| Kochemer Loschen | (Kochemerloschaun, verderbt Kokumloschen, v. hebr. chacham, klug, und laschon, Sprache), der / 667 |
| Kochemersprache | s. Kochemer Loschen. / 4 |
| Kochen | s. v. w. Sieden (s. d.); in der Technik und im Haushalt die Behandlung verschiedenartiger / 739 |
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(Kochheim), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, [* 2] an der Mosel und an der Linie Perl-Koblenz der Preußischen Staatsbahn (hier mit einem 4100 m langen Tunnel), [* 3] hat ein Schloß, ein Amtsgericht, Gerberei, starken Mühlenbetrieb, bedeutenden Weinbau und (1885) 3225 fast nur kath. Einwohner. – Kochem war zunächst als Reichslehen im Besitz der Pfalzgrafen von Aachen [* 4] und wurde nach deren Aussterben von König Konrad III. eingezogen. Bis zum Ende des 13. Jahrh. hatten dort Burggrafen ihren Sitz, bis König Adolf 1294 Kochem an Kurtrier verpfändete. Albrecht I. überließ es 1298 dem Erzstift völlig. Die Franzosen verbrannten 1689 einen großen Teil der Stadt, das jetzt beinahe wieder vollständig hergestellte Schloß sowie die nahen Burgen [* 5] Winneburg und Beilstein, die heute noch als Ruinen die Umgegend schmücken.
Vgl. Pauly, Stadt und Burg Kochem (Kochem 1883).
Loschen (Kochemerloschaun, verderbt Kokumloschen, v. hebr. chacham, klug, und laschon, Sprache), [* 6] der gaunerklassische Ausdruck für den vollkommenen Begriff der Gaunersprache, d. h. der Sprache des Gauners vom Fach. Gleich klassisch ist der Ausdruck Chessenloschen (v. hebr. chess, klug), auch wohl Chessenkohl (von kol, Stimme, Sprache), davon auch das weniger gebräuchliche Kochemerkohl. Die Ausdrücke: Kochemersprache, Kaloschen- oder Galoschensprache, Jenische Sprache sind keine echten Gaunerausdrücke, sondern von Polizei und Volk gemacht;
ebenso Schurersprache (v. zigeunerischen schorr, Dieb), obwohl schuren, schorren (Handel treiben, stehlen) ein gebräuchlicher Gaunerausdruck ist.
Plattenkohl (v. hebr. polat, glatt sein, entkommen) war der jetzt veraltete stehende Ausdruck in der Bande des Balthasar Krummfinger in der Mitte des 18. Jahrh. Der Ausdruck Kocheme Waldiwerei, den Bischoff in sein (unzuverlässiges) »Gaunerwörterbuch« (Neust. 1822) aufgenommen hat, ist eine Erfindung des Autors und niemals von wirklichen Gaunern für ihre Kunstsprache verwandt worden. Im Dreißigjährigen Krieg kam der rein deutsche Ausdruck Feldsprach auf, der sich jedoch nicht lange gehalten hat.
Für »sprechen« ist in der Gaunersprache üblich: dabbern, dibbern, medabber sein, dawern, diwern (sämtlich v. hebr. dabar, dowor, Wort, reden), schmusen (v. hebr. schmuo, Gerücht, Erzählung) und kochem schmusen sowie kochem dibbern. Die Gaunersprache ist durchaus deutsche Volkssprache, welche ihren Zufluß aus allen deutschen Mundarten und, je nach der mehr oder minder starken Berührung und Vermischung der verschiedenen verbrecherischen Elemente untereinander, aus fremden Sprachtypen empfangen hat.
Jedes dieser mundartlichen und fremden Elemente bewahrt mit Hartnäckigkeit eine Menge des eigentümlichen Stoffes, der freilich, im langen, lebhaft bewegten Zug von einer Stelle zur andern geführt, sich oft bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet findet. So erscheint die Gaunersprache in ihren Typen als eine konventionelle oder gemachte Sprache, im Gegensatz zu einer naturgemäß gewordenen, und zeichnet sich durchgängig durch Scharfsinn, reiche Phantasie, lebhafte Bilder, übermütigen Witz und verwegene Sprünge aus, z. B.: Kraut fressen, abkrauten, aus der Gefangenschaft (ins freie Feld) fliehen, ebenso die Krautsuppe essen;
Speck und Blaukohl, der Staupbesen;
Langmichel, Degen;
Wittstock, Dummkopf;
wittisch, dumm, einfältig;
stille Marschierer, Läuse;
Ockelbe (transponiert), Buckel;
thulerisch, lutherisch;
Strohbohrer oder Plattfuß, Gans;
Schmalfuß, Katze, [* 10] etc. Aus dem jüdisch-deutschen Dialekt stammen die Ausdrücke: Tolmann, Dollmann, Galgen;
Massematten, Handel, Diebstahl;
Reb Mausche (Rabbi Moses), das große Brecheisen bei Einbrüchen;
Kleseime, Glaseime (v. hebr. kle und emo, Gerät zum Schrecken), Pistole, etc. Der Zigeunersprache sind entnommen die Ausdrücke: Zink, Nase, Geruch;
Wink, Zeichen;
zinkenen, zu verstehen geben, winken, bezeichnen;
davon Zinkfleppe, Paß, [* 11] Steckbrief, etc. –
Die Grammatik der Gaunersprache beschränkt sich nur auf den schon seit langer Zeit gesammelten Wortvorrat, dessen Studium sehr interessant ist, und zu welchem Pott (»Die Zigeuner in Europa [* 12] und Asien«, [* 13] Bd. 2, Halle [* 14] 1845) und Avé-Lallemant (»Deutsches Gaunertum«, Bd. 3 u. 4, Leipz. 1862) die bis jetzt vollständigsten Beiträge geliefert haben.
* 15 Breslau.
Viel ist zu diesem Vorrat auch aus dem eigentümlichen Sprachvorrat deutscher Volksgruppen hinzugebracht worden, z. B. aus der Studenten-, Bauern-, Jäger-, Schiffer-, Bergmanns-, Handwerker-, Soldaten-, Kellner-, Kutscher-, Spieler-, Schinder- und Freudenmädchensprache, welch letztere besonders vom Klerus des Mittelalters mit meistens latinisierenden Bereicherungen versehen worden ist. Die ersten Spuren eines Vokabulars findet man im Notatenbuch des Kanonikus Dithmar von Meckebach in Breslau [* 15] um die Mitte des 14. Jahrh. Bemerkenswert ist das Vokabular des Ratsherrn Gerold Edlibach (Zürich [* 16] 1488) sowie auch das sogar von Luther 1523 herausgegebene »Liber vagatorum«, welches (abgesehen von einzelnen originellen und verdienstvollen Sammlungen, wie z. B. Mejer, Grolmann und Zimmermann) die Grundlage aller spätern »rotwelschen« Vokabulare und Grammatiken geblieben und vielfach von unwissenden Epigonen entstellt worden ist. Das merkwürdigste, weil einzige unmittelbar von einem gefährlichen Gauner herrührende, Wörterbuch ist die »Wahrhafte Entdeckung der Jauner- oder Jenischensprache von dem ehemals berüchtigten Jauner Kostanzer Hanß. Auf Begehren von Ihme selbst aufgesetzt und zum Druck befördert« (Sulz am Neckar 1791),
welches sich bei Avé-Lallemant (»Gaunertum«, Bd. 4) vollständig abgedruckt findet. Die namentlich von Thiele aufgestellte besondere »Jüdische Gaunersprache«, welche es ebensowenig gibt wie ein besonderes jüdisches Gaunertum, ist eine nur durch Unwissenheit veranlaßte Verwechselung und Identifizierung des Jüdisch-deutschen Dialekts (s. d.) mit der Gaunersprache. Über die gleichfalls häufig mit der Gaunersprache verwechselte Zigeunersprache s. Zigeuner. Vgl. Zinken und Rotwelsch.
s. Kochemer Loschen. ^[= (Kochemerloschaun, verderbt Kokumloschen, v. hebr. chacham, klug, und laschon, Sprache), der ...]
s. v. w. Sieden (s. d.); in der Technik und im Haushalt die Behandlung verschiedenartiger Substanzen bei der Siedetemperatur des Wassers unter gewöhnlichem, höherm oder niederm Drucke. Durch das Kochen werden mancherlei Zwecke verfolgt. Flüssigkeiten kocht man, um in ihnen enthaltene Gärungs- und Fäulniserreger zu töten und sie dadurch haltbarer zu machen (Milch, Fruchtsäfte etc.); durch anhaltendes Kochen werden Flüssigkeiten verdampft (Salzlösungen, Pflanzenauszüge etc.), und wenn die in der Flüssigkeit gelösten Körper bei Siedetemperatur des Wassers und unter dem Einfluß der Luft zersetzt werden, so kocht man im geschlossenen Gefäß, [* 17] mit welchem eine Luftpumpe [* 18] verbunden ist, unter niedrigem Druck, bei welchem die Flüssigkeit leichter siedet ¶
und sehr schnell verdampft (Vakuumapparat in der Zuckerfabrikation etc.). Hat man alkoholische Lösungen in solcher Weise zu behandeln, so verwandelt sich die Arbeit in eine Destillation, [* 20] indem man die Dämpfe ableitet und abkühlt, um den Alkohol wiederzugewinnen. Sehr häufig werden feste Körper mit Wasser gekocht, teils um in ihnen enthaltene lösliche Stoffe auszuziehen (Bereitung von Pflanzenauszügen, Fleischbrühe, Salzlösungen), teils um die festen Körper in ihrer Konsistenz oder anderweitigen Beschaffenheit zu verändern (das Kochen von Gemüsen, Fleisch, Darstellung von Leim). In diesen Fällen, wo Flüssigkeiten auf feste Körper einwirken sollen, wird der Zweck oft sehr viel leichter erreicht, wenn man den Druck und mit ihm die Temperatur steigert (Papinscher Topf, Digestor, Autoklave).
* 21 Nahrungsmittel.
Speisen werden beim Kochen in solchen Apparaten nicht nur sehr viel schneller gar, sondern es werden manche auch weich und zart, die im offenen Topf hart und ungenießbar bleiben. Dabei erleiden viele Nahrungsmittel [* 21] durch das Kochen eine solche Veränderung ihrer Beschaffenheit, daß ihre Verdaulichkeit erheblich wächst. Sehr häufig und namentlich im Haushalt kocht man über freiem Feuer und benutzt dazu mehr oder minder kompliziert konstruierte Kochherde für gewöhnliches Brennmaterial, für Grude, auch Gas- und Petroleumkochapparate; im größern Betrieb aber wird das Kochen mit Dampf [* 22] vorgezogen.
Man erzeugt Wasserdampf in einem besondern Kessel und leitet denselben durch ein Rohr direkt in die zu kochende Flüssigkeit. Anfangs wird der Dampf durch letztere vollständig verdichtet, dabei gibt er aber seine Dampfwärme an die Flüssigkeit ab, und bald beginnt diese zu sieden. Durch den verdichteten Dampf ist ihr Volumen vergrößert worden. Soll dies vermieden werden, so benutzt man Kochgefäße mit doppeltem Boden und leitet den Dampf in den Raum zwischen beiden Böden, oder man legt ein spiralförmig gebogenes Rohr (Dampfschlange) auf den Boden des Kochgefäßes und leitet den Dampf durch das Rohr. In sehr einfacher Weise kocht man z. B. Kartoffeln mit Dampf, indem man an ein siebartig durchlöchertes Blech kurze Füße lötet und dies Tischchen in einen Topf stellt, dessen Durchmesser nicht viel größer als der des Bleches ist.
Man gießt so viel Wasser in den Topf, daß dasselbe das Blech noch nicht berührt, und schüttet die Kartoffeln auf das letztere. Der Dampf durchdringt dann die Kartoffeln und macht sie gar, ohne daß das Wasser darauf einwirkt. Statt der Blechscheibe kann man auch einen Cylinder aus gelochtem Blech oder Drahtgewebe anwenden und hat dann den Vorteil, die Kartoffeln leicht aus dem Kochtopf herausnehmen zu können. Ähnliche Vorrichtungen haben sich gut bewährt zum Kochen der Wäsche, auch hat man für diese einfache Kochapparate konstruiert, in denen das Wasser durch den Druck emporgehoben wird und durch die Wäsche hindurchfließt, um von neuem gehoben zu werden.
* 23 Wärme.
Die Kochgefäße sind sehr verschiedener Art. Am häufigsten findet man metallene (guß- und schmiedeeiserne, kupferne, messingene, zinnerne) Kessel, Kasserollen, Cylinder etc. Je dünnwandiger das Gefäß ist, um so leichter wird die Wärme [* 23] übertragen; bisweilen aber wirkt das Metall nachteilig auf die zu kochende Flüssigkeit ein, und in solchem Fall wird Eisen [* 24] emailliert, Kupfer [* 25] verzinnt. So werden Pflanzensäfte in eisernem oder verzinntem Geschirr mißfarbig, sie behalten ihre Farbe am schönsten in Kupfer; wenn sie aber sauer sind, so dürfen sie nicht in dem kupfernen Geschirr erkalten, weil sich bei Einwirkung der Luft (die während des Kochens durch den Dampf abgehalten wird) Kupfer löst. In neuerer Zeit ist vernickeltes Küchengeschirr sehr beliebt geworden.
Bei irdenem Kochgeschirr kommt die Beschaffenheit der Glasur in Betracht, die bei gewöhnlichen Thonwaren [* 26] in der Regel bleihaltig ist und dann oft an saure Flüssigkeiten Blei [* 27] abgibt. Die saubersten Kochgefäße sind die porzellanenen und die gläsernen; ihrer Anwendbarkeit sind leider durch das leichte Springen der erstern und die Zerbrechlichkeit der letztern enge Grenzen [* 28] gesetzt. Recht empfehlenswert sind die in neuerer Zeit bekannt gewordenen Kochgeschirre aus Weißblech mit doppeltem Boden, die das Anbrennen verhindern und bei gutem Verschluß mindestens ebenso schnell gare Speisen liefern wie die gewöhnlichen Kochtöpfe mit lose aufliegendem Deckel. Vgl. Kochherde und Kochkunst.
Ende Kochen
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 9. Band: Irideen - Königsgrün, Seite 903; .
http://www.peter-hug.ch/lexikon/09_0903
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